Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Glyphosat am Wein

Verlogene Weinwelt ?

Über Martin Koessler und seinen Bruder braucht man eigentlich nicht viel schreiben. Die Weinhändler aus Nürnberg zählen zu den wenig kompetenten Kennern. Man sagt, dass Martin Koessler nach einem Schluck erkennt, was der Winzer gemacht hat.

 

Um so mehr nehme ich die vorstehende Kritik ernst. Und ich habe beschlossen, nur noch da Wein zu kaufen, wo ich mir sicher sein kann, dass er nicht aus Chemieböden stammt.

 

Die Bilder aus dem Artikel kenne ich. Nicht wegen der Böden, sondern wegen der Lage. An der Stelle oberhalb von Escherndorf habe ich am 20.09.2014 mit einer Gruppe von Freunden gestanden. Aufgefallen war uns damals, dass die Lagen des berühmten Juliusspitals zu Würzburg äußerst ungepflegt wirkten. Interessant, denn die Vogelsburg nebenan ist nun zu einem Komforthotel ausgebaut. Sie dürfen fragen, wem das Hotel nun gehört. Dem Juliusspital.

 

Der Name des Winzers, bei dem wir den Escherndorfer Wein gerne kaufen, stand eine Weile hier. Ich habe ihn nun herausgenommen, weil es unfair wäre, ihn stellvertretend für etwas namhaft zu machen, was alle tun. Ich hatte ihm die Frage gestellt, inwieweit er auch von der Kritik Martin Koesslers betroffen sei. Er  hat mich deswegen angerufen und zu einer Weinbergbegehung eingeladen. Leider sind wir bei unserem Aufenthalt im Mai 2016 nicht dazu gekommen. Glyphosat braucht er wegen der Steillage. Es geht auch um fehlende Arbeitskräfte.

 

Heinz Elflein

06.05.2016

03.06.2016

 

 

Escherndorfer Lage am 20.09.2014
Juli 2015

Nach dem Gespräch mit dem Escherndorfer Winzer habe ich Email-Kontakt zu Martin Koessler aufgenommen, weil ich dachte, die beiden muss ich irgendwie zusammenbringen. Martin Koessler hat mich ermächtigt, seinen Text hier zu übernehmen. Ich tue das ungekürzt und unverändert.

 

Ich bin eigentlich Ingenieur von Beruf, habe Chemie und Physik studiert, und bin deshalb am Boden und an der Herstellung von Wein sehr interessiert.
Ich habe niemals einen konkreten Winzer im Kopf gehabt, als ich den Artikel schrieb. Ich habe mir, wie ich das in allen Weinbauregionen mache, in denen ich unterwegs bin, die Weinberge angesehen. Ich bin zunächst gewandert und als ich dabei schockiert feststellte, wie dieses Jahr Glyphosat gespritzt wird, da bin ich losgezogen und habe den ganzen Nachmittag am gesamten Main nur noch photographiert. Wie gesagt, ich habe keinen Winzer im Kopf, dem ich »schaden« will; kann ich ja auch technisch nicht, weil ich die Parzellen der einzelnen Winzer gar nicht kenne. Ein paar Winzer beschriften ihre Parzellen, viele aber nicht. Ich kann also gar nicht wissen, welche Parzelle zu welchem Winzer gehört. Will ich auch gar nicht, denn mir geht es hier um die Sache an sich. Ich möchte diese Seite des Weines, den Anbau, der bislang niemand in unserer Branche interessant, in den Fokus rücken. Wein muß meiner Meinung nach auch im Weinberg sauber entstehen, nicht nur im Keller. Es gibt viele Zwischentöne zwischen dem Bioanbau und dem konventionellen Anbau. Auch ich habe nicht nur Biobetriebe im Sortiment, wenngleich alle Neuaufnahmen Bio sein müssen. Man kann im konventionellen Weinbau so gut wie im biologischen arbeiten. Keine Frage. Das sind aber Könner, Handwerker, die ihr Handwerk verstehen und dann frage ich mich, warum sie sich nicht gleich seriös zertifizieren lassen. Sie wollen sich eben doch für den Fall des Falles das Hintertürchen offen lassen, das der Biowinzer nicht hat. Alles menschlich verständlich, nicht verwerflich, ganz normal. Doch was ich auf meiner Wanderung leider feststellen mußte, war, daß offensichtlich der Chemiekrieg im Weinberg wieder rasant zunimmt, seit Glyphosat so billig geworden ist, wie es derzeit ist. Das wollte ich dokumentieren.
Daß ich dabei den Fehler gemacht habe, den konventionellen Weinbau in einer Überschrift zu generalisieren, mag man mir nachsehen. Ich wollte keinen seriös arbeitenden, konventionell wirtschaftenden Handwerks-Winzer in die Pfanne hauen. Würde man meinen Text aufmerksam lesen, würde man sehen, daß es dort keine Anklage gehen Personen gibt und daß ich den Winzern , die ohne Glyphosat arbeiten, ein Loblied singe. Ich wollte den ganz offenkundig übermäßigen Glyphosateinsatz dokumentieren und anprangern, der übrigens srhr wohl nach Jahren des Einsatzes zu einer geschmacklichen Veränderung der Weine führt, was man daran erkennt, daß Weine, die aus derart konventionellem Anbau radikal auf biolossichen Anbau umgestellt werden, ein paar Jahre brauchen, bis sie wieder in Balance kommen und wieder schmecken. Sie tun es dann mit einem anderen, dichteren Mundgefühl und einem pH-Wert, der geringfügig niedriger ausfällt als vorher. Es gibt biochemische Veränderungen in der Pflanze, weil Glyphosat die Mykorhizza-Kulturen schädigt, die den Transportmechanismus für eine wichtige Spurenelemente liefern.
Steillage hin, Steillage her. Die Lagen in Escherndorf, nur eine von vielen, die ich an dem Tag photographiert habe, sind extrem steil. Stimmt. Schweinearbeit. Eine phantastische Lage, die gegen den Trockenstress auch noch bewässert werden darf, was in Zeiten des Klimawandels unabdingbar werden wird. Bewässerung zur Vermeidung von Trockenstress, also für Qualität, nicht, wie früher, für Quantität. Das schreit nach Begrünung wegen der Erosion. Die guten Winzer bekommen gutes Geld für den Wein aus dieser Lage. Ich kann und will die Argumentation nicht verstehen, daß der Kunde den Mehrpreis nicht bezahlen will, den man für seriösen Steillagenweinbau braucht. Dafür sollten wir kämpfen, auch und gerade im Handel. Das wäre unsere Aufgabe! Das tue ich allerdings nur dann gerne, wenn ich dafür auch einen Mehrwert bekomme, der die Steillage anders schmecken läßt als den Rübenacker. Schafft sie das nicht, ist der Anbau wertlos und der Wein muß so billig sein, wie der vom Rübenacker. Dann nehme ich Glyphosat und betreibe den Weinbau, den man dort heute sieht. Wenn Weinbau in der Steillage aber anders betrieben würde, würde auch der Wein anders schmecken - siehe z. B. die Mosel (Heymann-Löwenstein, Clemens Busch etc. etc.). Der Winzer wird dann über kurz oder lang mehr Geld generieren können, er wird sich abheben, wird unter den Kennern der Szene gehandelt werden. Ich bin übrigens fest davon überzeugt, daß wir in ein paar Jahren, wenn wir alles richtig machen, einen Tourismus bekommen, der sich bestimmten Lagen widmen wird, vorausgesetzt, die Weine dieser Lagen schmecken wie ihre Lagen sind. Bleiben die Weine von solchen Lagen so belanglos, wie sie es leider heute oft sind, wird es dazu nicht kommen. Doch die Mosel ist aufgewacht, die Nahe wird kommen, der Rheingau wacht auf, die Württemberger machen es uns derzeit vor mit einem Qualitätswandel, der erstaunlich ist. Ich sehe das kommen und fände es sehr schade, wenn unser Franken diesen Trend verschlafen. Qualität wird gesucht werden und sie wird morgen anders definiert werden, als wir das heute glauben. Da bin ich mir absolut sicher. Genau darum geht es mir.
 
So, Herr Elflein, doch ein bißchen mehr geworden, aber das können Sie jetzt so gerne verwenden. Ich denke, damit habe ich klar gemacht, worum es geht.
Herzliche Grüße
Martin Kössler

Kleine Nachricht am Rande. Mein Bruder Werner – gerade weinmäßig unterwegs an der Mosel, für sich und www.weinfreaks.de – hat dies alles mitbekommen und einen  Winzer in Lieser befragt, wie er es mit Glyphosat hält. Seine Antwort war irgendwie identisch mit der aus Escherndorf. Auch er meint, an den Steillagen geht es nicht anders.

 

Heinz Elflein

06.05.2016

Wenn Sie mich fragen, was ich persönlich für ein Interesse habe, die Angelegenheit hier breit zu treten, kann ich nur antworten, ich möchte auch keinen Winzer in die Pfanne hauen. Wenn schon jemand, dann eher den Landwirtschaftsminister, der sich soweit verblödet, Glyphosat als harmlos hinzustellen. Dummerweise ist er ein Landsmann von mir. Leider offensichtlich mit seiner Christlich sozialen Union eher ein Interessenvertreter der Chemieindustrie, als der Leute, die ihn gewählt haben.

 

Wie die Aussage zu bewerten ist, wegen der Steillage sei der Winzer gezwungen, Glyphosat einzusetzen, kann ich nicht beurteilen. Wenn es auf einen erhöhten personellen Einsatz bei dessen Vermeidung hinausläuft, würde sich das natürlich auf den Preis auswirken. Na und? Da werde ich jetzt etwas deutlich. Sollen doch die geschmackstumben Leute mit dem Geizhals-Syndrom ihre Plörre ruhig weiter bei Aldi kaufen. Ich gehe dann zu dem Winzer, der auf das Etikett des Weins mit Fug und Recht schreiben darf (wenn man es überhaupt dürfte): Chemiefrei hergestellt. Sie glauben, das gibt es nicht? Gibt es doch. Einen Namen habe ich vorstehend schon erwähnt und ich gehe davon aus, dass er nicht fudelt. Nachtrag vom 21.05.2017: Habe den Namen entfernt, Sie dürfen raten, warum.

 

Persönlich ziehe ich daraus meine Konsequenzen und bin froh darüber, bei jemand wie Martin Koessler eine Quelle gefunden zu haben, der mir sozusagen Chemiebomben aussortiert. Wenn das so ist. Ich werde es recherchieren.

 

Ich will außerdem hoffen, dass seine Voraussage zum Verbraucherverhalten in der Zukunft eintritt. Ich bin gerne bereit, für einen chemiefreien Steillagenwein den Preis zu bezahlen, den er wert ist.

 

Hoffentlich bin ich jetzt nicht etwas blauäugig. Man möchte ja seine heile Welt.

 

Heinz Elflein

07.05.2016

Interview mit einem deutschen Steillagen-Winzer

geführt von Werner Elflein

Gibt es keine Alternativen zu Glyphosat?

Kann sein, ich bin da nicht auf dem Laufenden. Habe schon seit zehn Jahren kein Herbizid mehr verwendet.

Auch nicht im Steilsthang? Alles nur mit der Hacke?

Nein, Mähen tut es meistens auch, und im Frühling kann man nach dem Grubbern unter dem Stock auch gut mit der Hand herausreißen.

Ich höre oft den Satz "Wenn wir auf das Glyphosat verzichten, kostet eine Flasche Wein 50,- €" ...

Das ist totaler Schwachsinn! Dann müssten ja viele Kollegen hier schon zu diesem Kurs verkaufen. Das Problem ist wohl eher, dass die konventionellen Winzer einfach nervös werden, wenn da mal das Kraut ein bisschen höher wächst. Hat bei uns noch nie wirklich geschadet. Das ist totale Panikmache, um die eigene Inflexibilität nicht zugeben zu wollen. Ich sehe, dass wir maximal zwischen fünf und 25 Cent pro Liter Mehrkosten haben, je nach Lage und Ertrag.

Das wäre akzeptabel.

Ist es auch, aber krieg' das mal in die Köpfe der Winzer rein, die seit Jahrzehnten jede Konkurrenz zur Rebe verteufeln. Wenn das Qualitätsbetriebe sind, müssten sie eigentlich wissen, dass eine gezielte Begrünung des Weinbergs auch viele Vorteile bringt und sogar
neben den Herbiziden weitere Kosten einsparen kann, zum Beispiel für Insektizide (natürliche Feinde werden durch Blütenpflanzen angelockt) und Botrytizide (ausgeglichener Wasserhaushalt und somit kaum noch ein Abdrücken oder gar Platzen der Beeren). Durch die automatisch niedrigeren Erträge ist auch keine manuelle zeitaufwendige Ertragsreduzierung mehr notwendig.


Ist doch klasse, wenn man so ein Ökosystem hat, das sich selbst hilft.

Genau, man kann damit zwar nicht die gleichen hohen Erträge einfahren wie die Kunstdünger- und Glyphosatwinzer. Aber wenn man Qualität vor Rationalität zum Ziel seines Schaffens macht, sollte man schon möglichst mit der Natur arbeiten anstatt gegen sie.

 

Verlogene Europapolitik?

In diesen Tagen gab es in Brüssel die Abstimmung, ob die Lizenz für Glyphosat verlängert werden solle. Vielmehr, es sollte sie geben. Den Organisatoren gefiel aber das zu erwartende Ergebnis nicht.

Es war zu hören, Deutschland werde sich wegen der Haltung der SPD der Stimme enthalten. So wurde die Abstimmung kurzerhand abgesetzt. Nun haben die Lobbyisten die Möglichkeit, auf die Politik einzuwirken. Abgestimmt soll dann offenbar werden, wenn mit einer Lizenzverlängerung durch das Europäische Parlament zu rechnen ist.

 

Das nenne ich wahre Demokratie. Da arbeitet doch tatsächlich eine Kommission, die den Regierungen vorschreiben möchte, wie abgestimmt werden soll. Wessen Taschen dann gut gefüllt sein werden, bleibt dahingestellt.

 

Heinz Elflein

Mai 2016

Entlaubung a la Ho Tschi Minh-Pfad

Shark im Einsatz

Da frage ich mich, ob man solchen „Winzern“ nicht die Genehmigung entziehen kann, ihren Wein verkaufen zu dürfen. Zunächst hilft hier nur die Öffentlich-Machung. Ich sage Ihnen, wenn ich herausbekomme, wo dieser Weinstock steht, schreibe ich die Adresse hier herein.

 

Heinz Elflein

06.06.2016

Winzer aus Iphofen ohne Glyphosat (links), aus Endingen, mit Glyphosat (rechts)

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