Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Abgesang auf den Glyphosat-Minister

Eigentlich ist es heute, am 10.02.2018, zu früh, über dieses Thema zu schreiben. Weil noch lange nicht Wirklichkeit geworden ist, was in den letzten Tagen zwischen den sogenannten christlichen Parteien und der SPD ausgehandelt worden ist. Das, was ich hier als Kernthema ausgesucht habe, bleibt aber. Es geht um die Art und Weise, wie der Quotenminister aus Mittelfranken in Tateinheit mit Angela Merkel die SPD und die Verbraucher landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Deutschland und ganz Europa getäuscht und ausgetrickst haben.

 

Insofern ist es noch unerheblich, ob die freundliche ehemalige Weinkönigin aus Rheinland-Pfalz als neue Kartoffelkönigin Nachfolgerin des „geschäftsführenden“ Landwirtschaftsministers Schmidt wird. „Des Schmidtla“, wie ihn ein prominenter Bewohner seines Wahlkreises mir gegenüber bezeichnet hat.

 

Dass es auf Dauer nicht gut sein kann, durch Einbringung von Gift in Bauernerde Lebensmittel zu erzeugen, dürfte normal denkenden Menschen ohne weitere Überlegung klar sein. Wenn sie nicht vom schnöden Mammon und/oder allgemeiner Denkschwäche verblendet sind. Will hier nicht noch einmal aufzeigen, warum das so ist und will mich auch nicht mit den Ergebnissen Monsanto-manipulierter, „wissenschaftlicher“ Untersuchungen beschäftigen. Will auch nicht über Krebspatienten und Insektensterben schreiben. Aber über das Verhalten von Schmidt und Merkel doch.

 

Für mich war es ein abgekartetes Spiel zwischen den beiden. Des biedere Schmidtla hätte meines Erachtens ohne Rückendeckung nie den Mut gehabt, den Koalitionsfrieden mit der SPD so massiv zu beschädigen. Die nach meinem Geschmack noch viel zu zurückhaltend darauf reagiert hat. Es ist doch belegt, dass Frau Merkel den Großgrundbesitzern ihrer Klientel versprochen hat, das Problem Glyphosat nach der Wahl zu regeln. Sie hat es auf eine Weise getan, die mich daran zweifeln lässt, ob die persönlichen, christlichen Vorstellungen der Pfarrerstochter mit den zehn Geboten übereinstimmen. Da kam nach der Schmidtschen Untat nur eine Art „Du, du Böser“ von ihr. „In der Sache stimme sie aber mit Schmidt überein.“ Was ja von vornherein klar war.

 

Bekannt ist auch geworden, dass Schmidt von Beamten seines Ministeriums gedrängt worden sein soll, die Blockade des Umweltministeriums für die EG-Abstimmung zu ignorieren. Man könne ja durchaus allein entscheiden. Wodurch die Vermutung bestätigt wird, dass leitende Beamte des Landwirtschaftsministeriums nichts anderes sind, als eine mit Staatsgeldern bezahlte Bauernlobby.

 

Schmidt musste damit rechnen, dass sein Abstimmungsverhalten im Namen der Bundesrepublik Deutschland für den weiteren, EG-weiten Einsatz von Glyphosat, Folgen für ihn haben würde. Da kam natürlich postwendend der Verdacht der Vorteilsnahme auf. Während einer Talksendung im TV hat er sich äußerst vehement dazu geäußert. Er und seine Familie würden auf schlimmste Weise beschimpft und verleumdet. Mit Verlaub, Herr Schmidt, damit mussten Sie leider rechnen. Ich persönlich nehme Ihnen dieses Echauffieren nicht ab, es wirkte aufgesetzt auf mich. Sie hätten mit solchen Verdächtigungen rechnen müssen und es bringt nachträglich nichts, wenn man den Eindruck des aufrechten Ritters vermitteln möchte, der es erdulden muss, wegen seines Eintretens für das was richtig ist, in den Dreck gezogen zu werden. Wobei ich nicht zu denjenigen gehöre, die ihn der Vorteilsnahme durch Monsanto bezichtigen, ich halte ihn eher für einen fehlgeleiteten Überzeugungstäter. Kann höchstens sein, dass Schmidt eher auf ein Verbleiben im Landwirtschaftsministerim gehofft hat, was er ja auch öffentlich von sich gab. Damit dürfte es wohl wegen der aktuellen politischen Konstellationen nichts werden, die Merkelsche Belohnung wird anders ausfallen müssen. Aktuell spekuliert Schmidt auf eine Tätigkeit als parlamentarischer Staatsekretär. Zitat aus dem Online-Magazin „Nordbayern“ vom 10.02.2018:

 

Christian Schmidt sagte: "Wir in der CSU haben festgelegt, dass am 5. März über die Posten entschieden wird" und bekräftigte, er werde sich nicht an Spekulationen über Besetzungen von Ministerien beteiligen. Auf Nachfrage verriet Schmidt aber auch, dass er sich vorstellen könnte, wieder Parlamentarischer Staatssekretär zu werden. Gleichzeitig sagte Schmidt aber auch, er sei mit den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen zufrieden und hätte durchaus Lust, weiter ein Ministerium zu leiten.

 

Kann ja durchaus noch werden, Herr Schmidt. Vielleicht spielen Ihnen noch die SPD-Mitglieder – wenn auch ungewollt – in die Karten. Und Ihre politischen Freunde, die Sie reich mit Orden und Ehrenzeichen behängt haben, sind ja auch noch da.

 

Am besten gefiel mir in diesem Zusammenhang eine Szene, die im Fasching der Region aus Markt Bibart übertragen wurde. Man hatte dem prominenten Gast ein Getränk vorgesetzt, sinngemäß „ausschließlich aus Produkten, die auf mit Glyphosat behandelten Feldern gewachsen sind“. Der vorher so faschingsmäßig joviale Herr Schmidt hat dazu nicht gelacht. Aber alle die, die in meinem Beisein die Sendung des BR gesehen haben.

 

Ich möchte aber den Landwirten, die diesen Beitrag lesen, ein paar Worte sagen. Dieser Artikel richtet sich nicht gegen Sie. Ich kann durchaus nachvollziehen, wenn Sie glauben, aus wirtschaftlichen Zwängen Pestizide einsetzen zu müssen. Sie sollten aber überlegen, wie Sie davon wegkommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass aufgeklärte Verbraucher – und es werden immer mehr – bereit sind, die Mehrkosten, die der Bauernschaft durch Verzicht auf diese Gifte entstehen, über die Preise zu übernehmen. Ich selbst weiß genau, wo wir was nach diesen Gesichtspunkten einkaufen. Irgendwann wird es ein Wettbewerbsvorteil werden, auf Giftfreiheit zu verweisen, wenn dies nicht bereits so ist. Bezüglich glyphosatfreier Weine verweise ich auf die Erzeuger, die ich in meinen Beitrag auf dieser Internet-Seite aufgelistet habe.

 

Wie geht es nun weiter? Sofern es tatsächlich zu einer Neuauflage der Großen Koalition kommen sollte, verweise ich auf die veröffentlichte Sondierungsvereinbarung:

 

Wir werden mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränken mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden. Dazu werden wir gemeinsam Alternativen im Rahmen einer Ackerbaustrategie entwickeln und unter anderem umwelt- und naturverträgliche Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln regeln. Die dazu notwendigen rechtlichen Maßnahmen werden wir in einem EU-24 konformen Rahmen verankern. Die Umsetzung der Ackerbaustrategie werden wir gemeinsam mit der Landwirtschaft vornehmen und adäquat mit Fördermitteln für Maßnahmen zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie und insbesondere des Insektenschutzes untersetzen.

 

Reichlich unverbindlich, aber mit Hoffnung versehen, auch wenn mir der Zeitrahmen fehlt. Politiker-Terminilogie.

 

Herrn Schmidt wünsche ich eine für das deutsche Volk segensreiche Nachfolgetätigkeit, bis ihn das vielleicht vorgezogene Pensionsalter erreicht. Sein Spruch mit Manneskraft: „Ein Minister kann ja auch mal selbst entscheiden“, wird mir ewig zu meiner Erheiterung im Gedächtnis bleiben. Machen Sie es gut, Herr Schmidt.

 

Eigentlich wünsche ich mir auch, dass der Engel Aloisius endlich in Bayern ankommt. Vielleicht macht er dabei einen Schlenker nach Middlfranggn.

 

Heinz Elflein

10.02.2018

 

 

Leserkommentare

 

eine Ratsherrin aus NRW:

 

Ihr Artikel hat mir sehr gefallen. Sie sprechen nicht nur mir aus dem Herzen sondern sehr sehr vielen Menschen, die ich kenne und die auch so denken.
Leider interessiert das unseren Glyphosat-Minister überhaupt nicht.
Man müsste ihn und seine Familie in einen Raum sperren und nur mit Glyphosat verseuchte Lebensmittel servieren. Aber nicht nur einen Tag, sondern einen ganzen Urlaub. Mal sehen wie es dieser Familie dann gehen würde. er hat sich überhaupt nicht zu beschweren. Er hat sich ja schließlich für das ganze Volk entschieden, was nicht rechtens war. Wie Sie bereits erwähnten, ist unsere Frau Merkel auch nicht ganz unschuldig. Sie kann ja sehr gut andere Mitarbeiter vorschicken und hält sich im Hintergrund. Wir sind ja die Bürgerinnen und Bürger für unsere Politiker. Was sind dann unsere Politiker? Unsere Diener, die wir mit unseren Steuern bezahlen. Das vergessen leider leider die Herrschaften.

Ein Mittelfranke mit österreichischer Ehefrau, Landesbeamter: 
Politisch habe ich sowas noch nie erlebt. Sind echt am überlegen, ob ich den Scheiß nicht alles verkaufe und wir nach Österreich abhauen. 

Ein CDU-Wähler aus NRW, Abteilungsleiter einer Großbank:
Du hast dich ja sehr engagiert gegen deinen Landsmann ausgesprochen. Er ist ja bis jetzt weg vom Fenster.

Ein FDP-Wähler aus NRW, Diplom-Chemiker:
Heinz, der Artikel ist-wie immer-gut, richtig und mutig! Weiter so.

 

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