Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Lousiana Flusskrebse aus China

Erster Akt:                                                 Führt Aldi Kunden an der Nase herum?

Die Vorgeschichte

 

 

Ich liebe Flusskrebse. Esse sie für mein Leben gerne. Schön mit der richtigen Sauce angemacht. Mein Vater hat mir erzählt, er habe sie als Junge aus den Flüssen seiner oberfränkischen Heimat geholt. Mir ist das nie gelungen. Habe es aber auch nicht versucht.

 

Bis vor einigen Jahren habe ich Flusskrebs-Schwänze gerne bei unserem griechischen Fischgroßhändler in Düsseldorf-Heerdt gekauft. Bis ich mir Gedanken machte und wissen wollte, wo die wohl gefangen worden sind.

 

Die Antwort war für mich ein Schlag ins Kontor. Aus China.

 

Ich kaufe prinzipiell keine Produkte aus China, wenn ich nicht unbedingt muss.

Habe die Nase voll, z.B. von diversem Elektronikschrott mit CE-Zertifikat, das auch in China aufgepappt wurde. Ganz legal, ich habe das recherchiert.

Von chinesischen Umweltstandards halte ich überhaupt nichts. Da sieht und liest man zuviel Negatives.

 

Kann sein, dass ich in diesem Einzelfall den Chinesen Unrecht tue. Vielleicht geht alles mit rechten Dingen zu und die Flusskrebse kommen aus einer sauberen Umwelt. Wobei ich das eigentlich nicht glauben mag, China und saubere Umwelt schließt sich meines Erachtens gegenseitig aus. Ich pflege meine Vorurteile. Gegenargument: Flusskrebse kann man nur in sauberem Wasser finden. Und China ist so groß, dass es auch unbelastete Gegenden geben muss.

 

Nur, ich muss das nicht testen. Da verzichte ich lieber auf Flusskrebse auf unseren Tellern.

 

Heute nun das Aha-Erlebnis. Bei Aldi-Süd im Regal gab es Lousiana-Flusskrebse. Ich muss hier nicht schreiben, wo Lousiana liegt.

 

Natürlich griff ich zu. Und war sehr froh, wieder eine Einkaufsquelle für das leckere Produkt gefunden zu haben. Weil ich aber ein ungläubiger Thomas bin, habe ich die Packung umgedreht. Großhändler ist eine holländische Firma. Das ist nicht negativ. Eine halbe Stunde vorher hatten wir noch bei einer Fischhändlerin in Korschenbroich eingekauft, die all ihren Fisch aus Holland bezieht. Lecker und frisch.

Ich hatte sogar meine Brille dabei. Und was lese ich im Kleingedruckten: Die Lousiana-Flusskrebse kommen aus China.

 

Ich muss zugeben, das hat bei mir außergewöhnlichen Ärger hervorgerufen. Wenn ich es ausnahmsweise in gutem Deutsch sagen darf: Ich fühlte mich regelrecht verarscht. Ich lasse mich aber ungern verarschen. Da schlage ich zurück. Auch wenn ich die Chinesenschwänze nicht gekauft habe.

Als Betreiber einer Internet-Seite hat man ja so seine Möglichkeiten.

 

Führt Aldi seine Kunden an der Nase herum? Betrachten wir das mal. Dient der Name der Image-Verbesserung? Niemand kauft wohl Krebsschwänze aus China, wenn er weiß, dass sie daher kommen. Also muss man dem Produkt einen sympathischen Namen geben. Da muss ich zugeben, Lousiana klingt bei mir sympathisch. Man denkt an New Orleans, Mississippi und Golf von Mexiko. Und es gibt tatsächlich den Lousiana-Flusskrebs. Den „roten amerikanischen Flusskrebs“. Er verursacht dort, wo er eingeschleppt ist, großen Schaden. Zum Beispiel in Spanien. Aber all das weiß der Kunde nicht, wenn er vor dem Aldi-Regal steht.

 

Es ist aber alles ganz anders. Und das entlastet Aldi etwas. Was kann die Firma dafür, wenn der Verbraucher doof ist? So wie ich heute morgen - noch.

 

Die Heiploeg Group, die den Flusskrebs vermarktet, argumentiert damit, dass es sich um den offiziellen Handelsnamen dieser Art handelt. Der Krebs sei in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Lousiana nach China exportiert worden um dort in Aqua-Kultur gezüchtet zu werden. Manche Tiere hätten den Weg in die Freiheit gefunden und würden in den Binnengewässern sehr gut gedeihen. Dies hätte zu einem neuen Wirtschaftszweig geführt. Die Lebensmittel-Etikettiervorschriften seien eingehalten.

 

Wenn Aldi nun superkorrekt wäre, stände auf dem Etikett „Lousiana-Flusskrebse aus China“. Ganz vorne und nicht hinten.

 

Wo ich dies nun alles genau weiß, verzichte ich trotzdem auf dieses Lebensmittel. Bis ich eine Quelle gefunden habe, wo Lousiana-Flusskrebs nicht aus China kommt. Und bei Aldi schaue ich nun sicher öfter mal ganz genau nach. Die Nordseekrabben, die im Regal darüber standen, sollen tatsächlich aus Nordsee-Fischerei stammen. Steht hinten drauf und ich glaube es sogar.

 

Ich werde nun nachforschen, wo ich meine Flusskrebsschwänze beziehe, die nicht aus China kommen. Hinweise erbeten.

 

Übrigens, es tut zwar nichts zur Sache, aber der Laptop, auf dem ich diesen Beitrag schreibe, ist von ASUS. Das ist eine Firma aus Taiwan. Wenn ich eine Lupe nehme und sie auf das rückwärtige Etikett richte, steht da „Made in China“. Vor einigen Wochen, während der Garantiezeit, kamen mir Teile der Tastatur entgegen. Der Laptop hat mehr als 1.000 € gekostet. Das nur so nebenbei.

 

Manchmal halte ich es im Kopf nicht aus.

 

Heinz Elflein

29.11.2016

 

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