Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Flusskrebse aus Norwegen

gefangen - wo wohl? -

Zweiter Akt

Irgendwie hatte ich mich damit abgefunden, den Rest meines Lebens ohne Flusskrebse in der Schüssel zurecht kommen zu müssen – gibt ja wirklich Wichtigeres – da sprach mich eine Nachbarin an. Ob ich an einem Katalog interessiert sei. Ständen Angebote für Leute wie mich drin.

 

Da war ich ganz schön erstaunt. Kataloge mag ich gar nicht. Habe ich also aus Höflichkeit gesagt, sie könne uns den Katalog gerne in den Briefkasten werfen.

 

So lag der Katalog einige Tage unbeachtet herum. Bis ich vor langer Langeweile darin herumblätterte. Dann kam die Seite 72, die unser Leben vermutlich wieder etwas ändern wird.

 

Klassische Marseiller Bouillabaisse-Suppenbasis“. Soso. „Excellente Lachsklößchen“. Nochmal Soso. Dann kam der Wirkungstreffer.

 

Wild-Flusskrebse sind eine rare Delikatesse“

 

In der Tat. Wie alles kam, steht weiter unten. So fing es an mit der Einsicht, nie mehr Flusskrebse zu essen. Siehe unter "Aldi".

 

Im Katalog suchte ich nach dem Stichwort „China“. Und fand es:

 

Schon findet man in Supermärkten ebenso preiswerte wie geschmacklose chinesisch-türkische Zuchtware“.

 

Ja ja, ist ja bekannt. Nur, das von der Türkei wusste ich noch nicht. Aber Erdogan traue ich zu, dass er auch die Flusskrebse versaut.

 

Dunkler, kräftiger und geschmacklich anspruchsvoller sind hingegen unsere Edelkrebse aus Wildfang“. 300 g € 19,95. Aus Norwegen.

 

Zehn Minuten später war die Bestellung raus. Per Online.

Noch steht das Glas im Kühlschrank. Die Spannung steigt. Werde berichten, wenn wir sie gegessen haben. In Norwegen habe ich angefragt, wo die Krebse geschwommen sind. Wenn sie antworten, diese kämen auch China, muss ich mir den Strick nehmen.

 

Sie haben postwendend geantwortet. Aber mit der zweithöchsten Stufe der Unfreundlichkeit. Die erste wäre gewesen, wenn sie garnicht geantwortet hätten. Die zweite ist, dass sie mir schreiben, ich solle mich an den Verkäufer in Deutschland wenden. In English. Ich hatte in Deutsch und Norwegisch angefragt.

Muss ich halt nochmal nachhaken. Dann halt auch in English.

 

Aber bis zum Beweis des Gegenteils habe ich immer noch den Verdacht, die Krebse sind von China über Norwegen auf unserem Teller gelandet. Wenn sich das bewahrheiten sollte, bin ich böse auf die Nachfahren der Wikinger.

Eventuell auch auf den Verkäufer aus Krefeld. Der hat nämlich auf meine Anfrage  noch nicht geantwortet. Geben wir ihm noch ein paar Tage Zeit.

 

Hier der Originaltext aus dem Katalog:

 

"Wild-Flusskrebse sind eine rare Delikatesse. Einst fester Bestandteil der guten Küche, verschwanden Flusskrebse schon vor über 100 Jahren aus unseren Flüssen und Küchen. Nur in Skandinavien haben sie bis heute ihre kulinarische Bedeutung bewahrt. Nun erobert der Flusskrebs wieder unsere feine Küche. Schon findet man in Supermärkten ebenso preiswerte wie geschmacklose chinesisch-türkische Zuchtware. Dunkler, kräftiger und geschmacklich anspruchsvoll sind hingegen unsere Edelkrebse aus Wildfang. Nach dem Fang werden sie in Norwegen aufwendig tischfertig vorbereitet. Sie eignen sich vorzüglich für alle kalten und warmen Zubereitungen."

 

Klingt gut. Und vermittelt den Eindruck, die Flusskrebse seien Wildkrebse aus norwegischen Gewässern. Nur, je länger sich auch der Verkäufer nicht dazu äußert, schwindet mein Glaube daran.

 

21.01.2017

 

Heute hat mich eine freundliche Dame von Hagen Grote angerufen. Sie musste auch erst recherchieren. Die Krebse stammen aus Wildfang in China. Den Anruf an sich finde ich positiv, die Nachricht leider nicht. Damit muss ich die Tierchen leider wieder von meinem Speiseplan streichen. Empfohlen habe ich aber, den oben angegebenen Text zu ändern. Er führt den Konsumenten in die Irre, auch wenn das rein juristisch umstritten sein könnte. Ich bin aber Konsument - oder auch nicht - und kein Jurist.

 

23.01.2017

 

Nachtrag vom Mai 2017:

 

Gerne informieren wir Sie über den Ursprung der Wild Flußkrebsschwänze.

 

  • Die Flußkrebsschwänze sind Wildfang aus China

  • Diese stammen aus der Stadt Anhui

  • Nach dem Fang werden die Wild Flußkrebsschwänze zur Verarbeitung nach Norwegen geschickt

  • und für den Verkauf verarbeitet.

 

 

Wir hoffen sehr, Ihnen mit diesen Angaben geholfen zu haben und wünschen Ihnen noch eine angenehme Zeit.

 

13.06.2017

Hier geht es endlich zur Sache

 

14.01.17.

Heute hat Marianne die Saucen zu den Flusskrebsen gemacht. Zwei verschiedene eigene Kreationen, frei nach ihrem Gusto. Weswegen man die Details schon wieder nicht mehr so genau weiß. Die eine etwas asiatisch, die andere etwas milder. Dann ging ich an den Weintemperierschrank und habe eine Flasche vom Rebenhof aus Ürzig an der Mosel herausgeholt. Würzgarten Riesling Zero trocken. Dann haben wir sie ihrer natürlichen Verwendung zugeführt.

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