Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Gerd Langs göttliche Fischsuppe

Vorgeschichte

 

Eigentlich beginnt die Vorgeschichte schon im alten Jahrtausend. Wir wollten halt mal nach Südfrankreich, an die Cote d`Azur. San Tropez und so weiter.

 

Marianne hatte mir von Bormes-les-mimosas vorgeschwärmt. In der Tat ein wunderschöner Ort. Ein Quartier nach unseren Vorstellungen, direkt am Wasser, fanden wir nicht. Aber in Canadel sur mer Rayol. Eine Ferienwohnung in einem Backsteinhaus. Direkt am Meer, mit großem Garten. Neben einem Superhotel, das uns damals zu teuer war. Am 15. August 1944 war genau dort das „Commando d´ Afrique“ gelandet, wie uns der Besitzer, ein französischer Kriegsveteran, erzählte. Das Backsteinhaus hat er mit eigenen Händen erbaut. Und so nebenbei Romy Schneider Flugstunden gegeben.

 

Wir kamen im Sommer 1986.

 

Neben uns wohnte ein Paar aus Düsseldorf. Sie waren mit zwei aufgebockten Motorrädern gekommen. Was Madame zu einer Bemerkung über „diese couragierten Deutschen“ veranlasste. Mich nannte sie „Gran Artist“, weil ich mit meiner Angel einen Tintenfisch gefangen hatte. Das Kochrezept hierzu stand in einem uralten, zerfledderten Kochbuch von Madame und Marianne hat es tapfer küchenfertig umgesetzt. Mit Tinte.

 

Damit komme ich langsam zur Sache. In der Nähe gab es ein Restaurant mit einem berühmten Sternekoch. Le Roitelet. Bekannt für seine Boullabaisse. Ich hatte den festen Vorsatz, wenn wir schon an der Küste des blauen Himmels waren, eine Boullabaisse zu essen. Aber es gab Schwierigkeiten. Der Koch machte die Suppe erst ab drei Personen und Marianne, sowie die Begleiterin des Motorradfahrers mochten keine Boullabaisse. Es bedurfte des guten Zuredens unseres Kriegshelden und die beiden Männer bekamen, was sie wollten.

 

Da war ich doch sehr erstaunt, einen großen Topf mit roter Suppe auf dem Tisch zu haben. Die Fischstücke auf einer eigenen Terrine. So lernten wir halt, den Fisch erst in die Brühe zu tunken.

 

Weitere Einzelheiten sind mir entfallen. Aber das Erlebnis der Boullabaisse habe ich nie vergessen und es drängte mich nun Jahr für Jahr auf Wiederholung. Der Flug nach Nizza mit Quartier war schon ausgesucht. Umgesetzt haben wir es nie.

Als wir dann vor einigen Jahren zum ersten Mal im Solevino waren, erzählte uns Gerd Lang von seiner südfranzösischen Vergangenheit. Und dass ein örtliches Blatt geschrieben habe, die beste Boullabaisse mache ein junger Deutscher namens Gerd Lang. Da habe ich natürlich ganz fein aufgemerkt. Und darauf gewartet, dass Gerd Lang im Solevino zur Boullabaisse bittet. Was er nie gemacht hat. Schuld ist das popelige Neusser Volk, dachte ich.

 

Vorgebretzel

Boullabaisse in Canadel-Sur-Mer 1986

Meine Vorfreude, irgendwann bei Gerd Lang eine Boullabaisse angeboten zu bekommen, hatte sich also zerschlagen. Verstanden habe ich es nie. „Warum redet er nur davon“, dachte ich mir und die Reisepläne nach Marseille, Nizza usw. tauchten wieder in meinem Hinterkopf auf.

 

Da öffnete sich 2016 das nächste Fenster. Wo ich es überhaupt nicht erwartet habe. In etwa drei Kilometer Entfernung von meinem Angelteich in Mittelfranken, schräg durch den Wald gegangen, steht im Markt-Nordheimer Ortsteil Ulsenheim der Schwarze Adler. Über den ich auf dieser Internet-Seite schon geschrieben habe. (Schwarzer-Adler-Ulsenheim)

 

Bernd Meyer behauptet, er mache die beste Boullabaisse in Deutschland. Gunter Sachs, für den er jedes Jahr an der Cote d´Azur gekocht hat, kann das nun nicht mehr bestätigen. Ich auch nicht, weil die Boullabaisse seltsamerweise nur im Februar auf der Karte des Schwarzen Adler steht. Im Winter fahre ich die 400km von Neuss am Rhein aus nicht.

 

Mein selbst erzeugter Frust äußerte sich dann vor einigen Wochen in einem Email an beide Herren, das ich hier mal wiedergeben möchte:

 

Guten Tag,

ich hatte heute die Idee, zwei deutsche Boullabaisse-Köche zusammen zu bringen.
Der Eine, von dem geschrieben wurde, er sei der beste Boulabaisse-Koch in Frankreich, obwohl Deutscher,
der zur Zeit sein Talent in Neuss an die nichtsahnenden Mitbürger verschleudert.


Gerd Lang
info@restaurant-solevino.de
und Bernd Meyer
vom Schwarzen Adler in Ulsenheim in Mittelfranken,
von dem man sagt, er sei der beste Boullabaisse-Koch in Deutschland.


Freundliche Grüße

Das war am 16.06.2016. Dann hörte ich nichts mehr. Von Bernd Meyer hatte ich nichts anderes erwartet. Er ist – wie ich selber – Mittelfranke. Das sagt alles. Von Gerd Lang – dem Kommunikationswunder – eigentlich nicht und da habe ich auch recht behalten. Denn am 8.8. fand ich nachstehendes Email in meiner Post:

 

Hallo lieber Herr Elflein,

 

...ach, Marseille ist weit ;-)

 

Sollte der durch die Sehnsucht nach Bouillabaise bedingte und schon fast gebuchte Flug nach Marseille noch ein kleines Weilchen warten können, und sollten Sie sich zudem am kommenden Samstag (13.8.) zufälligerweise in Neusser Gefilden aufhalten, …so dürften Sie eventuell an der

Nachricht gefallen finden, dass es am kommenden Samstag im Solevino wieder eine Fischsuppe wie am Mittelmeer und ganz nach südfranzösischer Fanon, gibt, die nur ein Bestandteil eines herrlichen, mit Liebe, Lust und Leidenschaft produzierten, kleinen aber feinen provenzalischen Buffets sein wird.

Erfüllung

 

Dem konnten wir natürlich nicht widerstehen. Am 13.8., pünktlich um 18.00 Uhr, betraten wir das Lokal. Es fing aber garnicht so gut an. Das Buffet war noch nicht fertig, wir sollten die Zeit bis 18:45 mit einem Aperitif überbrücken.

Was im Prinzip an einem lauschigen, warmen Spätnachmittag in einem beschaulichen Gärtchen nicht besonders schlimm ist.

 

Mein Appetitanreger ist immer ein gezapftes Pils. Es gab Warsteiner, was meinen verhaltenen Unmut erregte. Da muss ich Gerd Lang einiges zu sagen, dachte ich. Weil ich noch keine Gelegenheit dazu hatte, mache ich es hiermit.

Also, Warsteiner geht für mich garnicht. Vor etlichen Jahren ist die Brauerei bereits bei Tests ins Gerede gekommen. Der Grund hierfür ist mir entfallen. Aber nicht die Auflistung unter dem Titel Krebserregendes-Bier . Wo Warsteiner Pils mit 20,73 Mikrogramm Glyphosat pro Liter einen Spitzenwert erreichte. Liegt wohl am minderwertigen, importierten Korn. Ich mache an dieser Stelle allerdings mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass die Gastronomie nichts dafür kann. Es ist auch nicht so einfach, den Lieferanten zu wechseln. Sind ja immer langfristige Verträge. Wenn ich allerdings Gastronom wäre, würde ich aus dem Vertrag aussteigen. Was soll man denn seinen Gästen sagen, die das gelesen haben.
 

Gerd Langs göttliche Fischsuppe

 

Als dann allerdings um 18:50 das Signal zur Eröffnung des Buffets kam, wurde ich sehr unfein drängelig. Ganz gegen meine sonstigen Gewohnheiten wollte ich unbedingt der Erste an der Suppe sein. Ich verabscheue solch ein Verhalten nomalerweise. Bin ja kein Pauschal-Urlauber in der Türkei. Verspreche aber, ich tue es nie wieder. Es sei denn...

 

Was soll ich sagen, der erste Schlürfbiss brachte es sofort an den Tag. Ich würde nie mehr in meinem Leben eine bessere Fischsuppe essen. Diese ist echt Sup(p)er(n)lative.

Jetzt stehe ich allerdings etwas dumm da. Allein zu sagen, die Fischsuppe hat hervorragend geschmeckt, reicht nicht. Wegen diesem Lapsus hat mich neulich ein Supergourmet schon fürchterlich gerügt. Da gehört mehr „bei die Fische“. Kann aber sagen, die Suppe war genau so, wie sie für mein Empfinden sein muss. Kräftig im Geschmack, die Kräuter schmeckten durch. Nicht versalzen. Größere Fischstücke eingelegt. Ich habe Fischsuppen schon schlechter gegessen. Auf dieser Internet-Seite, sogar in dieser Rubrik, kann man es nachlesen.

Selbstverständlich habe ich uns einen zweiten Teller geholt. Und um der Unverschämtheit nach dem Vordrängen die Krone aufzusetzen, noch um ein Doggie-Bag gebeten. Was Gerd Lang sichtlich amüsierte. Ein Doggie-Bag hatte er auch, aber keine Tüte. Und ich wollte im dunklen Neuss nicht mit einer Schale in der Hand herumstolpern. So kam die Schale in den Kühlschrank und ich am nächsten Tag mit Pkw vor die Haustür.

 

Gerd Lang wird mir natürlich seine Küchengeheimnisse nicht verraten. Wenn er es sich nicht anders überlegt.

 

Ich weiß aber, was in eine provenzalische Fischsuppe gehört. Nach einem Rezept von Hans-Jürgen Bäumler haben wir sie selbst schon gemacht. Ich glaube auch, einige der nachstehend angeführten Zutaten herausgeschmeckt zu haben:

 

Nun denn, so etwa könnte er sie zubereitet haben:

 

Gerd Langs göttliche Provenzalische Fischsuppe

Provenzalisches Trüffelschwein

 

Aber ich wollte den ganzen Abend ja nicht nur Fischsuppe löffeln. So habe ich denn den Meisterkoch befragt, was er mir noch aus dem reichhaltigen Buffet empfehlen könne. So kamen wir an das Provenzalische Trüffelschwein. Mit schwarzen Trüffeln und weißer Trüffelcreme.

 

Zur Trüffelcreme fiel mir was ein. Wir haben sie öfter gekauft. Sie schmeckt tatsächlich nach Trüffel. Anteil echter Trüffel unbekannt.

 

Das geschmorte Schwein war butterweich und super-schmackhaft.

Damit waren wir satt.

 

Versuchen Sie mal, an das Rezept zu kommen. Es ist mir nicht gelungen.

 

Den Wein gab es aus dem Karton mit Zapfhahn. Was seine Qualität nicht beeinträchtigte.

 

Was die Sterne anbetrifft: Gerd Lang hat nun einen von mir. Wenn er will, darf er damit Reklame machen. Kostenlos. Aber wenn er mir seine Rezepte gibt, bin ich ihm auch nicht böse. Hier herein schreibe ich sie nicht. Das müssen Sie verstehen.

 

Heinz Elflein

16.08.2016

 

Gerd Lang hat sich geäußert. Er hat kein Rezept. Macht es aus dem Kopf. Das nehme ich ihm unbesehen ab. Umso mehr schätze ich seine Arbeit. Man kann ihm ansehen, dass er für seine Arbeit lebt. Na denn mal weiter so. Und viel Gesundheit.

Irgendwie klingt das nach Künstler. Wäre er Pianist, bräuchte er keine Noten zu Beethovens 5. Klavierkonzert.

 

17.08.2016

Gerd Lang mit Mitarbeiter
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