Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Hattenheimer Duo

Kronenschlösschen und Adler Wirtschaft

Kronenschlösschen, 13.09.2013

 

Wer als Gast ins Kronenschlösschen geht, weiß, was ihn erwartet und deswegen geht er dort hin.

 

Der Restaurantbesucher geht nicht ins Kronenschlösschen, weil er Hunger hat, so seltsam das auch klingen mag. Ins Kronenschlösschen geht der geneigte Gast, weil ihm der Sinn nach kulinarischen Ausgefallenheiten steht. Obwohl, wenn er das 6-Gang-Menü für 110 € oder das 5-Gang-Menü für 98 € ordert, wird er wohl satt werden.

 

Wir kamen um 18:30 und hatten wenige Stunden vorher noch jeweils eine geräucherte Eifelforelle vom Kloster Himmerod verspeist. Das entlastete unseren Geldbeutel nur wenig, am Ende stand trotzdem eine 3stellige Zahl, beginnend mit „2“ am Ende der Rechnung, was vor allem dem Weinkonsum geschuldet war. Beispiel: 0,1l vom Aßmannshäuser Spätburgunder = 12,50€.

Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass wir natürlich mit 0,1l nicht ausgekommen sind. Aber wir wollen das nicht beklagen. Es hat uns ja niemand mit Gewalt in den Gourmet-Tempel gejagt. Wir sind freiwillig hinein.

 

Was man allgemein unter einem Gourmet-Tempel versteht, ist das Kronenschlösschen in der Tat. Kann sein, dass Loriot hier seinerzeit das Muster für den „aufgeräumten Teller“ gefunden hat. Ich mag das Wort „Gourmet“ allerdings nicht mehr. Es wird mir zu inflationär benutzt. Ab sofort ist auch keine Rede mehr von Preisen, nur noch von Genuss.

 

Der „Chef de Service, Helge Hagen“ beriet uns. Küchenchef ist seit April 2013 Sebastian Lühr, der bereits seit 2007 als Sous-Chef  im Kronenschlößchen kochte. Andere hochkarätige Stationen gingen dem voraus.

 

Eigentlich ist so ein Koch nicht von dieser Welt. Wenn man sieht, was da auf den Tellern herangetragen wird, glaubt man vielleicht ein klein bisschen an höhere Magie. Man traut sich kaum, es zu essen.

 

Marinierte Gänseleber /Langostinotatar /Pfirsich /Mais mit 2012 Rüdesheimer Kirchenpfad, Riesling Kabinett feinherb, Weingut Leitz, Rheingau

Die marinierte Gänseleber befand sich in drei Fingerhüten. Ich gebe dazu, das hat mich irritiert. Ich hatte eher fünf Fingerhüte erwartet. Mit Herrn Hagen hatte ich noch vorher wegen des Weins diskutiert und ihn gefragt, warum kein Edelsüßer zur Begleitung vorgeschlagen war. Er sagte, das wäre im Team bei der Konzipierung der Speise ausgiebig besprochen worden, mit dem Ergebnis, es wegen der Zusammensetzung der Komponeten besser mit dem Feinherben zu versuchen. Wir haben den Vorschlag akzeptiert, aber mir war der Abgang des Weines zu säurebetont.

Marianne nahm dann den Rehrücken mit Kakaobohnen-Krokantkruste /Sellerie / Himbeere / Pommes Dauphine

Für mich gab es Taube mit Orange, Sesam und Spitzkohl. Ohne Bild

 

 

Dazu tranken wir einen der besten Rotweine, die ich in den letzten Jahren im Glas hatte.

 

2003 Assmannshäuser Spätburgunder Spätlese

 

Weingut Krone

 

 Die Tatsache, dass ein Spätburgunder aus dem Hitzejahr 2003 heute noch so gut trinkbar ist, verdanken wir vermutlich dem fehlenden „trocken-Prädikat“. Ein trockener deutscher Wein aus 2003 dürfte es wegen der fehlenden Restsüße nicht bis ins Jahr 2013 geschafft haben. Meinen wir, wissen wir aber nicht.

 

Im Kronenschlößchen

Adler Wirtschaft

Franz Keller

Keller-Nostalgie

 

Es ist nun fast ein Vierteljahrhundert her, als wir uns von der Ortenau – wo wir seinerzeit regelmäßig Urlaub machten – auf die andere Rheinseite zum Kaiserstuhl begaben. Die große Flurbereinigung war bereits cirka 10 Jahre abgeschlossen. Der Schwarze Adler in Oberbergen war mit dem zweiten Michelin-Stern ausgezeichnet. Der Elsässer Christian Begyn kochte. Franz Keller war der „Rebell vom Kaiserstuhl“, weil er bereits damals konsequent, rigoros und gegen alle Widerstände auf Weine setzte, die durchgegoren waren. Nicht trocken, den Begriff mochte er nicht, nein, kulinarisch. Zum Essen geeignet. Die damals geltenden Weingesetze hat er ebenso konsequent missachtet, weswegen die Weine auf der Karte des Schwarzen Adler „nur“ Tafelweine waren, was ihrem Geschmack (und ihrem Preis) keinen Abbruch tat. Im Hotel hatten wir anno domini 1991 das einzige Zimmer mit Bad und WC. Am 11. September spielte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in England (und gewann 0:1) und es war kein Fernseher im Hause, weil Franz Keller der Ansicht war, die Gäste sollten sich gefälligst auf das Essen konzentrieren. Was wir mit großem Vergnügen auch getan haben. Das TV-Verbot für Fußballfreunde war eigentlich etwas verwunderlich, war Franz Keller doch als großer Sympathisant des deutschen Fußballs bekannt. Bestätigten Gerüchten zufolge war Fritz Walter der Taufpate seines Sohnes Fritz.

Es waren drei Tage für uns, die in gewisser Weise unsere eigene Schlemmerkarriere begründeten. Unter geistiger Mithilfe eines gewissen Kolumnisten der Badischen Zeitung mit dem Pseudonym Fridolin Schlemmer.

Stichwort „Sortenvielfalt statt Funktionärseinfalt“.

 

Keller-Aktuell

 

Franz Keller ist seit einigen Jahren tot. Ein Sohn (Fritz) führt das Weingut in Oberbergen. Franz Keller jr., der inzwischen der Senior ist, hat eine bemerkenswerte Laufbahn hinter sich. Wir haben all die Jahre zur Kenntnis genommen, was über ihn zu lesen war. Seit 1993 führt er die Adler Wirtschaft im Eltviller Ortsteil Hattenheim. Welch Analogie zu seinem Heimatort. Vorher war er im Kronenschlösschen - um die Ecke in Hattenheim - und davor in der Bühler Höhe. Aufgemerkt haben wir, als bekannt wurde, dass Franz Keller seine eigenen Bauernhöfe hat, wo er Rinder und Schweine so aufziehen lässt, wie er es für richtig hält. Passt ja gut in die Zeit, wo jedermann nach „Bio“ schreit.

 

Irgendwann kommt die Zeit, wo man das, was man schon länger tun wollte, in die Tat umsetzt. Am 14.09.2013 war es so weit. Wir nahmen einen Doppel-Geburtstag zum Anlass, hatten wegen des Wochenendes etliche Wochen vorher gebucht, ein Hotelzimmer in Eltville reserviert und stiegen gegen 18:30 aus unserem Pkw aus, den wir in der engen Hauptstraße von Hattenheim, schräg gegenüber der Adler Wirtschaft parken konnten.

Beim Eintreten empfing uns diese typische altdeutsche Gemütlichkeit, die wir mögen. Der uns für drei Personen zugewiesene Tisch erwies sich leider als sehr klein, die Tischplatte haben wir auf 90cm geschätzt. Das gab natürlich Beinsalat unter dem Tisch, wir sind ja zwischen 172 und 195cm groß. Leider nahm uns dies einen Teil der Gemütlichkeit weg, wenn man ständig seine Gebeine neu ordnen muss, stört das gewaltig. Da wollte uns auch der Ober nicht helfen.

 

Die Speisekarte ist schon eine kleine Offenbarung.

(Anklicken, damit sie lesbar ist und Lupe besorgen, es lohnt sich)

Bis wir das System richtig begriffen hatten, hat es einer Nachfrage bedurft. Also, es wird bei Menüwahl alles serviert, was auf der Karte steht, das ist eigentlich gar nicht so schwer. Es gibt auch damengerechte Portionen. Aber nur, wenn die Dame an einem anderen Tisch sitzt als die Herren der Schöpfung. Ein Durcheinandergemenge von großem und kleinem Adleressen an einem Tisch ist nicht erlaubt. Aber es dauerte nicht lange, bis wir Marianne mit einem schlagkräftigen Argument überzeugt hatten, sich den Männern – die selbstverständlich das große Adleressen haben wollten – nachzutun. Wir haben ihr gesagt, was sie nicht schafft, essen wir mit auf.

 

Auf der Rückseite der Karte bittet die Adler Wirtschaft um Verständnis, dass nur Tischreservierungen vorgenommen werden können, wenn der Gast ein richtiges Adleressen zu schätzen wisse. Dazu gehöre die kleine Vorspeise oder Suppe und die Hauptspeise. Na was denn sonst, habe ich mir beim Lesen gedacht.

 

Es wäre schon sehr seltsam, wenn es in der Adler Wirtschaft nicht auch eine ganz besondere Weinkarte gäbe. Bei dieser Familien-Geschichte.

 

Wir tranken einen Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken 2008 vom Erzeuger J.B. Becker und weil uns der Tropfen spontan süchtig machte, wurden es zwei Flaschen.

Als dann der erste Teller kam, war das für uns schon etwas überraschend. Alle 3 Suppen nebeneinander. Wir fanden das höchst beeindruckend. Sogar Marianne, die ein echter Suppenkaspar ist.

Am Ende waren wir rundum zufrieden und sogar satt, was ja bei manchen Gourmet-Menüs nicht selbstverständlich ist.

Die Adler Wirtschaft akzeptiert keine Kreditkarten. Aber die EC-Karte. Sie stellt auch nur eine Gesamtrechnung pro Tisch aus. Das kleinkarierte Auseinanderklamüsern am Tisch entfällt. Wir finden das in Ordnung, handhaben das in der Familie schon länger so und finden, die deutschen Zahlgewohnheiten in Restaurants sollten sich anpassen. Im Ausland kennt man es nicht anders.

 

Heinz Elflein

21.09.2013

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