Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

*Andrej`s , April 2016

Düsseldorfer Fischlokale haben es momentan bei mir schwer. Ich mag nicht mehr irgendwo hingehen, weil ich inzwischen ein reichlich überheblicher und dekadenter Gast geworden bin, der nur Fisch mit Sternchen mag. Daran bin ich ich aber nicht selbst schuld, sondern Andrej Urosevic.

 

Ich weiß nicht, was ihn auf die Idee gebracht hat, seine "Oysterbar-und Restaurant" an sich zu eröffnen und dann noch im snobistischen linksrheinischen Düsseldorf. Es war aber letztendlich wohl eine gute Idee, unter beiden Gesichtspunkten. Andrej vereinbart außerdem zwei Eigenschaften in einem Körper, die in dieser Konstellation nicht so häufig vorkommen. Er ist Angler und isst Fisch.

 

Wenig Angler, die ich sonst kenne, machen das. Und unter denen gibt es nur welche, die Hausmannskost lieben. Kein Feinschmecker ist dabei, alles gaumentumbes Fischervolk. Hoffentlich liest das hier keiner von ihnen und wenn, wissen sie nicht, dass sie selbst gemeint sind.

 

Dann habe ich also Kulinarik höherer Weihen und die Liebe zum Angeln mit Andrej gemein. Er ist mir gegenüber aber weit im Vorteil, weil er selbst kochen kann. Wenn es bei uns zuhause Karpfenklößchen gibt, ist es Gemeinschaftsarbeit. Ich liefere das Filet, Marianne macht die Klößchen, zu denen ich den Dill aus dem Garten hole. Den Riesling entkorke ich auch.

 

Aber Andrej hat noch jemand in seiner Mannschaft, der die Angelei und Kulinarik ebenso in sich vereinigt, er ist auch noch (fast, er unten, ich in der Mitte) ein Landsmann. (Man muss Gott für alles danken, sogar für einen Franken, das gilt keinesfalls für jemand aus der Oberpfalz).

 

Nachdem ich wieder reichlich dekadent mit meiner Preiswert-Ausgabe des berühmtesten deutschen Auto-Herstellers vorgefahren, Marianne habe aussteigen lassen und selbst 300m entfernt an der Hansa-Alle geparkt habe, hat uns der Landsmann Dave die Tür aufgeschlossen, als wir am 29.04 um 17:50 davor standen. Weil ich wieder vorher im Internet geschnöft hatte, wusste ich schon, was für mich in Frage kam.

Baby Calamari

Encornets du Chef

Baby Calamari nach Laune der Küchenchefin

 

Surf&Turf

Surf&Turf mit Jakobsmuscheln, Kalbsbäckchen-Häppchen auf Hummer Linsen

 

Poele Imperiale, das Nirwana für Krustentiere

 

Das Poele Imperiale habe ich mir dann abgeschminkt, weil ich nach vorsorglicher Beratung durch Dave gemeint habe, es würde doch zu viel und dann lieber Loup de Mer genommen habe.

Loup de Mer

Loup de Mer

Grille Mediterran auf Olivenöl gegrillt, im Ofen mehliert, mit Noisette-Butter und Petersilie zu Ende gegart , mit Liebe angerichtet

Kartoffelpurée à la Robuchon, aus La Ratte Kartoffeln mit Butter montiert

 

Marianne hat sich den ersten beiden Gerichten angeschlossen und dazu als dritten Gang ein

 

Forellen-Quartett

 

genommen, dessen genaue Zusammensetzung ich jetzt deswegen nicht mehr hinkriege, weil es auf der Internet-Seite von Andrejs nicht aufgeführt ist. Es war das Highlight an diesem Tag für sie.

 

Bei der Wahl des Weins habe ich zunächst nach einem deutschen Riesling gesucht, bis mir wieder klar war und was auch von Dave erläutert wurde, dass Andrej ja ein „französisches“ Fischlokal führt. Wenn er da stilrein bleiben möchte, ist das nachzuvollziehen. Mal sehen, wie lange er den Einflussnahmen seiner Mitarbeiter diesbezüglich widerstehen kann. Ich habe damit kein Problem, der Pinot Blanc aus dem Elsaß war vorzüglich.

Aber falls er das halbwegs mal ändern möchte, empfehle ich einen Riesling von Wirsching in Iphofen, Franken, weil die Franken ja sowieso die Franzosen Bayerns sind.

 

Zwischenzeitlich haben wir auch unanständig gekleckert, weil die Sauce überlief und weil unanständiges Essen im Andrej`s Pflicht ist. Es war aber eher eine Huldigung unsererseits und Daves Kollege hat uns von dem Baby-Matsch mit dem Lappen befreit.

 

Spezialisten von Gourmet-Schreiberlingen möchten jetzt sicher gerne, dass wir die Gerichte geschmacklich sezieren. Tue ich hiermit: Es hat uns vorzüglich geschmeckt. Wer mehr wissen will, soll hingehen.

 

Als wir das Lokal betraten, habe ich zuerst Andrej vermisst. Er war draußen im Hof, wo man demnächst auch im Freien essen kann. Da freuen wir uns schon drauf.

 

Heinz Elflein

30.04.2016

 

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