Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Travigne Kaarst

Ich kenne keine Person weiblichen Geschlechts, die so sicher im Umgang mit Wein ist. Was mir unheimlich imponiert. Frau Petra Sonntag gehört das „Travigne“ in Kaarst. Von außen sieht der Weinladen aus, wie ein biederes, bürgerlich-deutsches Lokal, was es früher sicher einmal war. Man könnte sich gerne auch heute eine schnuckelige Weinstube in den Räumen vorstellen. Am Publikum würde es kaum fehlen. Denke ich so.

 

Frau Sonntag hatte im alten Jahrtausend die weinmäßige Regie in einem italienischen Lokal im Norden von Düsseldorf. Als absehbar war, dass das Lokal schließen würde, hat sie sich die vorhandenen Weine eingeladen und damit einen Weinladen direkt an der Autobahnabfahrt von Kaarst eingerichtet. Wo ich auch das erste Mal als Kunde bei den Sonntags-Schwestern mit Hund erschien. Der nach meiner damaligen verklemmten Wahrnehmung der eigentliche Chef war. Wenn ich heute an dem Laden vorbei fahre, könnte ich höchstens Fahrräder kaufen, aber keine köstlichen italienischen Weine mehr. Dafür müsste ich in die Grünstr. 15, im Ortszentrum.

Die Schwestern mischen inzwischen nicht mehr mit, auch eine Wollverkaufs-Phase war nur kurzfristig. Habe auch noch im Sinn, dass Frau Sonntag ihre Weineinkaufstouren nach Italien unternahm, um Winzer vor Ort zu besuchen und zu ordern. Kenne mindestens zwei Kandidaten, die das so spannend finden, dass sie liebend gerne mitgefahren, geschlürft und geschnüffelt hätten.

 

Gelegentlich brauche ich etwas Italienisches in meinem Weinkeller, manchmal rot und manchmal weiß. Die früheren italienischen Spezereien, mit der das Travigne und Frau Sonntag lockte, fand ich zuletzt nicht mehr im Sortiment. Aber auch einige deutsche Weine kann man jetzt kaufen und Frau Sonntag hat ihre spezielle Methode, die richtigen Winzer auszuwählen. Manchmal bin ich etwas verblüfft, wie sie das tut. Habe ich gewählt, schreibt Frau Sonntag die Rechnung von Hand, zählt zusammen, schreibt die Endsumme darunter, um sie anschließend zu streichen und durch eine um cirka 10% gekürzte und gerundete Summe zu ersetzen. Dann bin ich ganz schön gebauchpinselt und weiß garnicht, ob ich das hier so breit treten darf.

 

Sicher könnte ich in Kaarst Weine auch direkt beim Italiener kaufen. Tue ich aber kaum, weil ich ja nicht der große Fachmann bin und lieber der Sachkunde von Frau Sonntag traue, wo ich Qualität vor Kommerz unterstelle, ohne den Mitbewerbern damit etwas unterstellen zu wollen.

 

Als der Umzug des Geschäfts zur Grünstraße bevorstand, sprach Frau Sonntag auch davon, später vielleicht das Weingeschäft um eine kulinarische Variante zu erweitern. Da hatte ich mich richtig darauf gefreut. Ist aber nicht eingetreten, was ich ganz schön bedaure. Wäre wirklich toll, mal nach Kaarst zu fahren, ein paar Gläschen Wein zu trinken und leckere italienische Kleinigkeiten dazu zu verzehren. Was natürlich in einem Einfrau-Betrieb nicht zu leisten ist. Ist vielleicht bei den Weinproben so, zu denen sie gelegentlich einlädt. Ob sie gelegentlich geschlossene Gesellschaften nimmt, müsste man sie befragen.

 

http://www.travigne.com/

 

Ein Foto von der Dame mit der Rauschgoldengel-Löwenmähne kann ich Ihnen leider hier nicht bieten.  Müssen Sie halt mal selber hinfahren.

 

Heinz Elflein

13.01.2018

 

P.S.: Dafür kopiere ich hier unerlaubt die Eingangsseite des Internet-Auftritts und hoffe, das nicht bereuen zu müssen.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Heinz Elflein

Diese Homepage wurde mit 1&1 MyWebsite erstellt.