Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Salumeria Casucci in Kaarst

Die Familie Casucci kennen wir noch aus dem alten Jahrtausend, als sie auf dem Neusser Markt ein Feinkostgeschäft betrieb. Unvergessen für mich der Vorfall mit den mysteriösen drei Signoris, von denen sich zumindest einer nicht als solcher benahm und von den anderen beiden Signor Casucci auch nicht sehr erbaut war. In Anwesenheit zweier deutscher Kunden, für die klar war, was da abging.

 

Das ist nun schon sehr lange her. Signor Casucci und seine Frau dürften sich – so wie wir – inzwischen im Rentenalter befinden, was sie nicht hindert, noch voll mitzumischen. Das Feinkostgeschäft ist 2004 nach Kaarst umgezogen. Ein kleines Restaurant im gleichen Raum ist hinzugekommen. Im Geschäft haben wir öfter mal eingekauft, spezielle Wurstwaren, Prosciutti oder speziellen Käse. Manchmal auch einen Limoncello.

 

Das Restaurant hatten wir mit der ganzen Familie irgendwann nach 2010 zuletzt besucht und waren nicht unzufrieden. Aber wie das so ist, nachdem in unserem Wohnort Neuss die Qualität italienischer Küchen nicht mehr so war, wie wir sie uns eigentlich vorstellen, schauten wir uns nach Alternativen in der Umgebung um und wurden durchaus fündig, wenn wir die Stadt Neuss in Richtung Düsseldorf (Lörick) oder Meerbusch (Büderich) verließen.

 

Die Ansprache meiner Frau: „Lass uns mal wieder zu Casucci gehen“ wurde – zurecht – immer deutlicher. Was umzusetzen nicht so einfach war. Weil nämlich andere Leute auf die gleiche Idee gekommen waren. Am 10.01.2018 hatten wir Glück, es waren gerade noch zwei Plätze frei, als ich anrief.

 

Ich hatte direkt für 18:00 Uhr reserviert und wir waren pünktlich da, weil wir als Deutsche Pünktlichkeit eingebleut bekommen haben. Es war dann auch ganz entspannt, wir bekamen noch einen Parkplatz vor der Tür und hatten genügend Zeit, die Karte zu studieren. Der Koch kam gegen 18:10 Uhr. In Empfang wurden wir von den inzwischen erwachsenen Kindern genommen, Tochter und Sohn. Signora Casucci stand schon hinter der Theke, Signor erschien kurz nach 19.00 Uhr. Jetzt war alles tutto completto.

 

Für meinen Borsalino fand sich noch Platz neben den Panettones, was ich durchaus angemessen fand.

 

Unser Menue:

 

Gratinierte Jakobsmuscheln auf Gemüsebett&Parmesancreme

Thunfischcarpaccio mit Shrimps und Algen

Hirschsaltimbocca auf Preiselbeer-Rotweinsoße

Rinderfilet mit Trüffelbutter und schwarzen Trüffeln auf Calvadossauce

 

Als Beilage wählten wir jeweils Spaghetti. Was sich als Glücksgriff des Abends herausstellte. Jetzt mal ehrlich, wären Sie auf die Idee gekommen, ausgerechnet „gewöhnliche“ Spaghetti als Höhepunkt des Menüs zu bezeichnen? Wahrscheinlich nicht. Ich gebe Ihnen normalerweise recht. Also, ziehen Sie ihre Ausgehklamotten an und gehen Sie hin. Vorher reservieren nicht vergessen. Sonst rauschen Sie bedröppelt ab, wie all die Leute, die wir an diesem Abend frischfrommfröhlichfrei hereinkommen sahen und die glaubten, an einem der noch freien Tische Platz nehmen zu können.

 

Nun, es waren keine gewöhnlichen Spaghetti. Sie waren divino italiano, von der göttlichen, italienischen Art. Durch Salbeibutter geschwenkt. Wie uns der Chefpapa beiläufig und ganz stolz mitteilte. So was köstliches hatte ich zuletzt 2012 am Ufer des Po in Torino gegessen. Es war das „Imbarco Perosino“ im Parco Valentino und es waren auch keine Spaghetti, sondern Tagliolini. Mit Gamberetti e Ananas. Wo ich die Salmone neben mir im Po mit Grissini gefüttert habe.

 

Solche Sternstunden muss der Mensch haben. Mindestens alle fünf Jahre.

 

Jetzt möchte ich aber auch über das Hirschsaltimbocca und das Rinderfilet ein paar Worte verlieren.

 

Saltimbocca romana findet man öfter auf italienischen Speisekarten. Es sind die auf einen halben Zentimeter dünn geklopften Kalbsschnitzel mit Schinken und Salbei. Die von alleine „in den Mund springen“ (römischer Dialekt). Diese waren nicht vom Kalb, sondern vom Hirsch, der ja bekanntlich eine etwas größere Sprungkraft hat. Weil nun aber auch meine liebe Frau zielsicher die gleiche Idee hatte, was leider ständig auch bei den größten Speisekarten vorkommt, bin ich ausgewichen auf das Rinderfilet. Mit dem perfiden Hintergedanken, mich nun auch am Foie Gras zu laben. Was leider in die Hose ging, weil Signor Casucci beim heutigen Einkauf keine Gänseleberpastete mitgebracht hatte.

So was muss man wegstecken. Die Cheftochter half mir dabei, als sie mir Trüffelbutter als Alternative anbot. Trüffel an sich gehörten ja sowieso zum Gericht.

 

Haben Sie schon mal ein Stück langsam schmelzender Trüffelbutter auf einem cross gebratenen Rinderfilet (innen fein rosig) gehabt?

Ich brauche jetzt nix mehr zu sagen. Aber vielleicht doch. Es waren natürlich nicht die weißen Albatrüffel, sondern schwarze. Wären es weiße gewesen, hätte mich das vermutlich vollständig um den Verstand gebracht.

 

Zum Wein: Zu den Vorspeisen tranken wir einen fruchtigen Gavi und zur Hauptspeise einen kräftigen Primitivo. Wem das Wort zu primitiv erscheint, der kann auch Zinfandel dazu sagen. Ich neige eher zum Primitiven.

 

Für Dolci war nun kein Platz mehr. Aber für einen Espresso und einen Grappa. An dieser Stelle möchte ich mir einen kleinen, aber überheblichen Hinweis an meine deutschen Landsleute erlauben: Bestellen Sie Abends um Gottes Willen keinen Capuccino mehr. Damit beleidigen Sie italienische Seelen. Nehmen Sie einen Espresso.

 

Auf dem Weg zum Ausgang standen drei verwegen aussehende Signoris mit Dreitagebärten an einem runden Tisch und süffelten immer noch einen. Als ich jedoch meinen Borsalini in der Hand und auf dem Kopf hatte, fühlte ich mich dem Trio Infernale gleichwertig. Vielleicht auch etwas überlegen.

 

Resümee:

Als ich vor einiger Zeit im Internet nach Bewertungen der Salumeria Casucci herumsurfte, fiel mir eine aus 2013 auf: „Der beste Italiener im Großraum Neuss“. Naja, dachte ich, wo fängt der Großraum an und wo hört er auf?

Heute, zu Beginn 2018, stimme ich dem zu. Neuss und Umgebung kann der Freund gehobener italienischer Küche vergessen. Wenn Casucci nicht wäre. Meerbusch-Büderich geht gerade noch, aber nur in einem Fall. Erst wieder an der Grenze zu Düsseldorf (Lörick) und zu Krefeld (Uerdingen) gibt es etwas Besseres.

Fragen Sie mich oder suchen Sie auf dieser Internet-Seite.

 

Heinz Elflein

11.01.2018

 

P.S.

Mit dem Barista muss ich noch ein Wörtchen reden.

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