Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Corazon

nichts mit Liebe, nur Hühnerherzen

 

Heute sind wir auf dem Markt beiläufig wieder auf Corazon gestoßen. Als Marianne Gänsebrust auf dem Markt kaufte, erschien sie ihr etwas klein für unseren Appetit. Aber da lagen ja auch noch Hühnerherzen. Da haben wir einige Erinnerungen zu. Die eine heißt Siebengebirge. Die andere ist Olga. Dann fiel mir ein, dass ich dazu schon geschrieben und den Beitrag etwas versenkt habe. Hole ich ihn also wieder heraus und mache hiermit die große Herzens-Corazon-Vereinigung.

Corazon heißt eigentlich nur „Herz“. Und das bringt nun wirklich Romantik in diese Geschichte, obwohl es eigentlich nur um Innereien geht. Das muss man aber ausblenden.

Corazon Olga und Gonzalo (Spitzname Coyote) haben eine Lücke hinterlassen, als sie in ihre Heimat nach Spanien zurück sind. Olga wäre sicher gerne in Deutschland geblieben, aber gegen Gonzalos Wunsch, so oft er möchte, Bachforellen fischen zu gehen, gab es keinen Widerstand. Müssen wir halt unsere Corazon alleine zubereiten. Wird richtig einsam hier, Corazon-mäßig.

 

Die besten Hühnerherzen – Corazon – hat Olga für uns zubereitet. Olga hat uns auch das Rezept für Corazon gegeben. Eines Tages kamen sie auch mit einer Art Mini-Riesenrad auf unsere Terrasse und es gab die beste Paella, die wir jemals gegessen haben. So bilden sich unverbrüchliche Freundschaften. Dass mir Gonzalo als Anglerfreund auch noch beigebracht hat, warum man zu Karpfen in Franken, die nicht anbeißen wollen, einfach „verdammter Kojote“ sagen muss, hat das nur vertieft.

 

Marianne gelingt das Rezept sehr gut, aber immer haben wir das Gefühl, es fehlt noch etwas, was man nicht essen kann. Außerdem ist es wirklich etwas Arbeit. Erst muss die Haut abgezogen werden.

 

Als wir noch eine Zweitwohnung in Bonn hatten, gingen wir gerne zu einem Lokal bei den sieben Zwergen in den sieben Bergen, das von einem Spanier geführt wurde. Er war ein ganz besonderer Spanier. Er klagte, in Deutschland sei er ein Spanier und in Spanien Deutscher. Einmal haben wir ihn in einem Torero-Kostüm singend in einer deutschen TV-Massen-Publikums-Sendung aus Berlin gesehen, als ich zufällig umschaltete. In seinem Restaurant aßen wir immer Corazon. Ich schwärmte davon. Auch im Kollegenkreis.

 

Als wir den Spanier das nächste Mal aufsuchen wollten, war er nicht mehr da. Er sei zurück nach Spanien gegangen, sagten die beiden Damen, die das Restaurant übernommen hatten. In der Zeit, als Bonn seinen Hauptstadt-Status verlor. Damit war klar, als was er sich fühlte. Wie konnte es auch anders sein, bei jemand, der Corazon auf der Speisekarte hat. Zu den beiden Damen sind wir dann nicht mehr hin. Hatten ja keine Corazon. Waren richtig geknickt. Wie konnte Corazon-Torero uns nur verlassen.

 

Wir sind dann auch weggegangen von Bonn, aber beide Ereignisse haben nichts miteinander zu tun. Hühnerherzen kann man überall essen. Marianne kauft die Corazon frisch auf dem Markt im Neusser Norden beim Stand von Herrn Ingelbeek, der sie von einem Halter hat, der die Hühner noch freilaufend herumgackern lässt. Bevor die Corazon in die Pfanne kommen, müssen sie von den Fetträndern befreit werden. Manche essen sie angeblich mit, das bereitet mir virtuelles Würgen. Die Herzchen werden angeschmort mit Olivenöl, scharf angebraten, gepfeffert, etwas gesalzen, mit Hühnerbouillon aufgegossen, Knoblauch, Thymian, Paprika. Dazu gehört eigentlich ein kräftiger Rioja. Andere Rotweine tun es auch. Irgendwie war es mir schlundmäßig nicht scharf genug. Abhilfe kam von einem winzigen Fläschchen aus Serbien. Unsere „Gabor-Tropfen“. Von dort, wo sich am Rande zu Ungarn eine ungarische Volksgruppe seit gefühlten hunderten von Jahren wohl fühlt. Hat mir der Mitbringer, Herr Gabor, der dort geboren ist, so erzählt. Paprika-Konzentrat. Man sollte es nur in homöopathischen Dosen, also tropfenweise verwenden. Wer etwas zuviel nimmt, brennt seine Magengeschwüre weg. Wer seinen Prostata-Krebs beseitigen will, muss etwas mehr nehmen.

 

Zuletzt ergab es sich, dass der Einsatz von Hühnerbouillon Corazon-Suppe erzeugte. Ergab leckeres Schlürfen. Wer es mampfiger mag, soll es ruhig eindicken.

 

Heinz Elflein 04.05.2014

und 17.12.2016

 

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