Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Restaurant- und Hotelbewertungen

Restaurant-und Hotel-Bewertungen

 

Das hat ja ganz schön zugelegt im letzten Jahrzehnt. Ich muss zugeben, mich auch im Internet erst einmal zu orientieren, bevor ich ein mir noch nicht bekanntes Quartier buche. Oder bevor ich ein neues Restaurant aufsuche. Inzwischen habe ich nicht nur auf meiner Internet-Seite, sondern auch sonstwo eine ganze Menge von Bewertungen abgegeben.

 

Das betrifft allerdings nur Hotels und Restaurants, die es überhaupt wert sind, dass man sich mit ihnen beschäftigt. Über Klitschen schreibe ich nicht. Was natürlich zur Folge hat, dass meine Bewertungen meist überwiegend positiv sind. Nur in einem Fall habe ich einem ansonsten sehr guten Restaurant einen deutlichen Nasenstüber gegeben. Lasse mir nämlich einfach nicht gefallen, wenn man glaubt, mir Feinkost aus der Dose unterjubeln zu können. Da war ich halt in der Wortwahl überhaupt nicht zurückhaltend, worüber sich der Restaurantbesitzer am meisten aufgeregt hat. Denke aber, es hat gewirkt, diese Hechtklößchen wird er wohl nicht mehr auftischen.

 

Weswegen ich mich aber animiert fühle, diesen Beitrag zu schreiben, ist die meist angewandte fünf-stufige Bewertungsskala. Damit kann ich überhaupt nichts anfangen. Weil man nämlich eine bäuerliche Stube auf dem Land überhaupt nicht mit einem Gourmet-Restaurant vergleichen kann. Stellen Sie sich vor, sie sitzen in einem einfachen Gasthaus, in dem aber alles gestimmt hat, von der Frische der Speisen bis zur Bedienung und in dem Sie sich in angenehmer Runde sehr wohl gefühlt haben. Da können Sie doch nicht nur einen Stern geben, weil Sie am nächsten Tag in einem hochpreisigen Spitzenrestaurant ein kulinarisches Erlebnis von einem anderen Stern, Michelin-gekürt, haben werden. Das geht einfach nicht, wenn Sie die Bauernstube nicht herunter machen wollen. Oder stellen Sie sich vor, Sie waren im Gourmet-Restaurant bei höchsten Ansprüchen nicht ganz so zufrieden und geben nur 3 Sterne, haben aber am Tag vorher im Wirtshaus auf dem Lande nichts bemängelt und 4 Sterne gegeben. Da kann man doch nicht von ableiten, das Wirtshaus sei besser als das Gourmet-Restaurant. Das wäre wohl der Gipfel der Absurdität.

 

Ist es mir doch in diesen Tagen selbst passiert, dass ich einem jungen Koch mit sehr guten Aussichten für die Zukunft „nur“ 4 Sterne gegeben habe. Obwohl er jetzt schon eindeutig in seinen Leistungen vor dem etablierten Platzhirsch-Gasthaus am Ort liegt. Das von mir fünf Sterne bekommen hat, weil man ja schon Jahrzehnte auf hohem Niveau kocht und leider in der letzten Zeit sich etwas auf den Lorbeeren ausruht. Oder gerade, als ich da war, nicht seinen besten Tag hatte.

 

Eigentlich müsste ein total neues Bewertungssystem her. Bringt aber wahrscheinlich nichts, weil es den Normal-Bewerter überfordern würde. So werden wir weiter mit dem 5-Sterne-System leben müssen. Ich für mich ziehe ganz einfach die Konsequenz, zu sagen, meine Bewertungen in den einschlägigen Portalen sind prinzipiell untereinander nicht vergleichbar. Wer es ganz genau wissen möge, soll bitteschön den einschlägigen Bericht auf meinen Internet-Seiten lesen:

 

www.heinzelflein.de

www.elfleins-frankenschau.de

 

Es gibt aber noch einen Aspekt. Dem Gastronomen gehen Bewertungen am …. vorbei. Man könnte auch sagen, sie tangieren ihn nicht einmal peripher. Einen davon kenne ich persönlich. Und darüber muss ich eigentlich still vor mich hingrinsen.

 

Heinz Elflein

28.06.2017

 

Die andere Seite

Ich möchte mich ich aber mal in die Haut der anderen Seite versetzen. Die andere Seite sind die Gastronomen. Für sie dürfte es nicht gerade erhebend sein, seit dem Einzug des Internets Bewertungen von Leuten ausgesetzt zu sein, die ihre Gäste waren. Oder - im negativen Fall - so tun, als ob. 

 

Dazu fällt mir der Fall des Gastronomen Andrej ein, der leider sein Lokal ab 2018 aufgegeben hat. Sicher nicht wegen schlechter Kritiken. Wie sich Andrej gegen eine unfaire Kritik gewehrt hat, kann man hier nachlesen:

 

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/andrej-s-oyster-bar-in-duesseldorf-gastronom-wehrt-sich-gegen-online-kritiken-aid-1.5588791

 

Es sind verschieden Arten von Mitmenschen, die Bewertungsportale nutzen. Einmal der ganz normale Gast. Dann gibt es aber auch die, die mit dem Gastronomen eine Rechnung offen haben. Der gefeuerte Mitarbeiter, der nun sein Mütchen kühlen möchte und noch seine Bekannten animiert, den Gastronomen in die Pfanne zu hauen. Und dann hätten wir noch den bedauernswerten Mitmenschen, der selbst unter psychischen Problemen leidet und noch nie das Lokal von innen gesehen hat.

 

Wenn ich mir das nun in Ruhe überlege, finde ich, die Tatsache, dass jedermann mit einem erfunden Fremdnamen Kritiken schreiben darf, geht zum Nachteil des Gastronomen. Er kann sich quasi überhaupt nicht wehren. Andererseits gäbe es sicher keine ehrlichen Kritiken, wenn der Gast befürchten müsste, in Regress genommen zu werden. So kommt es halt zu Auswüchsen. Obwohl mir bekannt ist, dass die Bewertungsportale beleidigende Aussagen nicht drucken. Die Grenze für den Gastronomen liegt natürlich nach dessen Empfinden weit darunter.

 

Da kann ich nur Gelassenheit empfehlen. Ich selbst schreibe übrigens Kritiken unter meinem richtigen Namen. Und wenn mir ein Betrieb nicht zusagt, gehe ich einfach nicht mehr hin.

 

Am Rande dürfte aber auch einmal erwähnt werden, dass es Gastronomen heutzutage nicht leicht haben. Sehr viele stecken in einer Kostenfalle. Da sind die nicht gerade billigen Mieten, das Personal muss bezahlt werden und die Lebensmittel, die bereitzustellen sind, schlagen natürlich auch zu Buche. Da müssen etliche Essen über die Theke gehen, bevor die Verlustzone verlassen wird. Was in manchen Monaten nicht gelingt.

 

Man muss heute Idealist sein, wenn man ein guter Gastronom sein will. Reich wird man dabei nicht, das geht eher im Massenbetrieb. Aber da auch nur vielleicht.

 

Heinz Elflein

19.02. 2018

 

 

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