Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Bayerische Mörderbande

Die Ermordung von Bruno

                                               Es war ein Bär

in seinen besten Jaharen

er wurd hinweggeputzt

von dieser Erd

 

du feiger Jäger

das ist eine Schahande

und bringet dir bestimmt

kein Ehrenkreuz

er fiel ja nicht

im offenen Kahampfe

der Schuss von hintenher

beweists

 

denn auf den Bergen

ja da wohnt die Freiheiheit

ja auf den Bergen

ist es ja so schön

da wo auf grauenhafte Weiheise

der Bruno-Bär zugrund musst gehn

 

(Nach der Melodie von Wildschütz Jennerwein)

https://www.youtube.com/watch?v=YTCPU4qHjhQ

 

Manchmal muss man ein älteres Thema wieder aufgreifen. Intitialzündung war, dass wir uns über Metzger in Deutschland unterhielten. Da meinte ich zu Marianne, ich möchte mal wieder bei Metzger Pfleger einkaufen und Bärentatzenfleisch verlangen. Was ich schon mal vergeblich versucht habe und mutmaßte, die Bazis würden die Leckerei lieber selber verspeisen.

 

Marianne hatte keine Ahnung, wo der Metzger Pfleger ist. Weil sie meine Internet-Seiten nicht auswendig gelernt hat. Es half im Moment auch nicht weiter, dass ich ihr das von den Bärentatzen näher erläutert habe. Erst als ich den Ort, Kochel am See, nannte, fiel der Groschen.

 

An dieser Stelle muss ich wohl etwas ausholen und die Geschichte erzählen, wie Bruno gemeuchelt wurde und wer schuld daran ist. Beziehungsweise erzählen lassen.

 

Zitat aus WWF.de:

 

Seinen ersten großen Auftritt hatte der - seinerzeit noch namenlose - Bär am 10. Mai 2006 im österreichischen Galgenul. Gerade aus dem Winterschlaf erwacht, begab sich der junge Bär auf Wanderschaft und schnappte sich zur Stärkung sechs Schafe. Der Große Beutegreifer tauchte immer wieder in der Nähe von Dörfern auf, blieb trotzdem fast unsichtbar. Hier ein Einbruch in einen Schweinestall, dort ein ausgeraubtes Hühnerhaus und dann wieder abgetaucht. Zu Gesicht bekam das Tier kaum jemand.

Spätestens ab dem 19. Mai 2006 kannte man ihn auch nördlich der Alpen: Er passierte die deutsch-österreichische Grenze und riss gleich einmal drei Schafe. Der erste Bär nach 170 Jahren - Naturschützer jubelten, obwohl längst klar war, dass der Besuch des Tieres Probleme nach sich ziehen würde. Inzwischen war bekannt, dass es sich um JJ1, den Erstgeborenen der italienischen Bären Jurka und Jose handelte. Wiederholte Einbrüche in Ställe und seine Auftritte in Siedlungen verschafftem ihrem Filius JJ1 den Ruf eines „Problembären“. „Vergrämungsversuche“, wie das Befeuern mit Gummigeschossen und Knallkörpern waren gescheitert. Laut österreichischem Managementplan blieb eigentlich nur das Entfernen aus der Natur, sprich der Abschuss.

Aber in Bayern galt der Managementplan nicht. Zudem hatte man kaum mit der enormen Reaktion der Öffentlichkeit und der Medien gerechnet. Die bayrische Landesregierung gab den Bären zum Abschuss frei - die Medien hatten ihre Sommerstory. Aus JJ1 wurde Bruno. T-Shirts mit Solidaritätsslogans wurden gedruckt. Stofftierhersteller legten Sondereditionen auf. Bonbonfabriken setzen auf süße Schaumleckereinen, Marke: „Bruno Braunbär“. Schulklassen verfassten Gedichte und im Internet kursierten sogar Pop-Songs über bärigen Superstar.

Bruno hingegen tat das einzig richtige: Er machte sich rar. Zunächst ging es zurück nach Tirol. Er ließ sich allenfalls hier und da bei der Überquerung einer Autobahn oder dem Durchschwimmen eines Flusses blicken. Obwohl es bis dahin nur ein einziges verwackeltes Foto gab, tat dies Brunos Popularität keinen Abbruch. Die Zeitungen behalfen sich mit Archivbildern seines Bruders. Einige fielen auch auf Fälschungen herein und jede Randnotiz wurde begierig aufgegriffen.

So wurden finnische Bärenjäger mit karelischen Bärenhunden engagiert. Sie sollten einen spezialisierten Tierarzt mit Betäubungsgewehr auf Brunos Spur bringen. Die Hunde waren so trainiert, dass sie zumindest theoretisch beginnen zu bellen, wenn sie einen Bären gestellt haben. Auf dem Rücken trugen sie GPS-Sender. Löst das Hundegebell Alarm beim Funkgerät der Jäger aus, würden diese versuchen möglichst umgehend zum Ort des Geschehens vorzudringen. Der Plan war gut; er funktionierte nur nicht.

Nicht nur Boulevardzeitungen berichteten täglich über seine Abenteuer, selbst Medien aus den Niederlanden, den USA und Japan interessierten sich für die Geschichte. Berichte über die märchenhafte Bärenhysterie schafften es selbst in die Washington Post und die New York Times.

Bruno indes narrte weiterhin die Behörden. Mal schlief er vor einer verlassenen Polizeiwache, dann kollidierte er schadlos mit einem PKW. Nach knapp drei Wochen gaben die Finnen entnervt auf. Kaum waren die Jäger abgereist, änderte das Tier unvermittelt sein Verhalten. Nachdem er wochenlang niemals zu einer seiner Fressstellen zurückkehrte, tauchte er am helllichten Tag mehrfach auf derselben Schafskoppel auf. Radfahrer fotografieren ihn beim Baden. An diesem Tag entstanden auch die einzigen Filmaufnahmen von dem inzwischen berühmten Bären. Touristen näherten sich dem Tier mehrfach bis auf wenige Meter. Ein mehr als fahrlässiges Verhalten.

Auch die Bewohner einer Bergpension staunten nicht schlecht als sie den Bären während des Abendbrots reichlich ungestört wenige Meter vor dem Haus vorbeispazierte. Er war ebenfalls auf dem Weg zum „Abendbrot“ zu einer in der Nähe gelegenen Almwiese, wo er sein 32. und letztes Schaf riss. Der Bär hatte jede Scheu verloren. Genau dies wurde ihm zum Verhängnis. In den frühen Morgenstunden wurde das Tier auf der Kümpflalm an der Rotwand von drei Jägern erlegt.

Bruno wurde zur Legende

Der enge zeitliche Zusammenhang zwischen der Abreise des finnischen Betäubungsteams und den tödlichen Schüssen lieferte Stoff zur Legendenbildung. Entsprechend groß war die Empörung in den Gazetten des Landes. Für ein Foto des toten Bären wurden hohe Summen geboten und es war sicher eine gute Idee, die Namen der Jäger nicht zu veröffentlichen. Auch der Aufenthaltsort des Kadavers wurde geheim gehalten. All dies gab Verschwörungstheorien neue Nahrung. An der Abschussstelle errichteten Tierfreunde einer Art Altar und riefen zu Demonstrationen gegen die „Bärenmörder“ auf.

Erst allmählich beruhigten sich die Wogen wieder. JJ1 steht inzwischen ausgestopft im Museum. Die Eröffnung der Bärenausstellung erregte aber weit weniger Aufsehen als die alpine Wanderung des jungen Bären. Bleibt zu hoffen, dass Deutschland nicht wieder 170 Jahre warten muss, bis das Land von einen wilden Bären besucht wird und am besten wäre es wohl, wenn das erst einmal niemand merkt.

 

Da haben wir es. Er wurde von sage und schreibe d r e i Jägern erlegt, weil die Bayerische Staatsregierung die Ermordung angeordnet hat. Anstatt ihn mit einem Netz einzufangen und dort wieder auszusetzen, wo er keine Schafe mehr reißen kann. Höchstens Preißn.

 

Staatliche Jäger-Feiglinge mit langen Flinten und kurzen.......

 

Ich glaube auch, dass sie sich das Bärentatzenfleisch unter den Nagel gerissen und es mit dem Bayerischen Innenminister im Hinterzimmer vom Gasthof Post in Kochel am See vertilgt haben. Vermutlich haben sie alle Karl Mai gelesen. Dagegen spricht, dass bayerische Deppen keine Gourmet-Anwandlungen haben können, wegen dem eingeschränkten Weißwurst-Gedächtnis.

 

Wir sind offensichtlich zu spät gekommen seinerzeit, ein paar Tage nachdem Bruno vor der Polizeiwache in Kochel Schutz gesucht hat. Ich hätte ihn gerne vor der bayerischen Mörderbande beschützt und ihn mit in unser Quartier am Walchensee genommen, damit er mich bei der Jagd nach Seeforellen unterstützt.

Mit Verlaub, die Begierde nach seinen Tatzen hatte ich wirklich erst, als ich hörte, er sei hinterrücks gemeuchelt worden. Aber Metzger Pfleger in Kochel am See hat mich halt schnöde hintergangen.


 

Heinz Elflein

03.06.2016

 

P.S.

Früher wurden in Bayern Wildschützen erschossen. Jetzt nur noch Bären.

 

Noch mal, weil es so schön ist:

https://www.youtube.com/watch?v=ZoMdZqlUeuo

 

 

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