Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Angeln und Kulinarik

Sinn, Unsinn und Genuss

Also, warum soll ich das, was ich gerne tue, nicht miteinander verbinden. Auf die Idee kam ich, als ich gerade darüber nachdachte, wo ich mal wieder die Rute auswerfen möchte.

 

An den Angelsport – den viele nicht für Sport halten – bin ich ganz beiläufig gekommen. Als uns mal an einem Urlaubstag in der Eifel etwas Langeweile plagte. In der Nähe war ein Zuchtteich für Forellen, dessen Inhaber Gästen die Möglichkeit zum Angeln mit geliehenen Ruten bot. Er hat die Angelmöglichkeit ein paar Monate später wieder eingestellt, als er Zeuge wurde, wie ein „Sportsfreund“ sich in einer Gaststätte damit brüstete, wie sehr er den Betreiber der Anlage „über den Tisch gezogen“ habe.

 

Dieser Angeltag war die Initialzündung, mich näher damit zu befassen. Irgendwann machte ich dann die Sportfischerprüfung. Was im Übrigen die einzige Prüfung in meinem Leben war, wo ich beinahe durchgefallen wäre. Weil ich in der Aufregung die Leine oben nicht durch die Öse gezogen hatte, als ich eine „Hechtangel“ zusammenbauen sollte. Damit hatte ich nach der Korrektur meine Zeit überzogen, was die Prüfer aber nicht bemerkten. Der Prüfer meinte abschließend, die Zusammenstellung sei zwar vorschriftsmäßig, aber fangen würde ich damit nichts. Was ein bezeichnendes Bild auf die gesetzlichen Vorschriften wirft. Im Unterricht war immer viel von „Fischgerechtigkeit“ die Rede, was in der anglerischen Realität dazu führt, zu dicke Schnüre und zu große Haken zu verwenden.

 

Sehr viele Angler die ich kenne, essen keinen Fisch. Sie setzen den Fang ins Wasser zurück. Da wirft sich die Frage auf, warum sie überhaupt fischen gehen. Das sollte man vorurteilsfrei betrachten. Fange ich halt damit an:

 

Ganz ganz früher waren die Menschen Jäger und Fischer, um sich zu ernähren. Dieser archaische Trieb steckt noch heute in uns. Beim einen mehr beim anderen weniger. Oft muss der Trieb erst geweckt werden. Siehe oben. Viele schütteln verwundert den Kopf. Haben damit nichts am Hute. Tierschützer möchten bewirken, dass überhaupt nicht mehr geangelt werden darf. Damit können sie sich aber nicht durchsetzen, weil dann auch nicht mehr im großen Stil mit riesigen Netzen gefischt werden dürfte. Aber sie haben tatsächlich erreicht, dass geangelte Fische nicht mehr ins Wasser zurückgesetzt werden sollen. Inwieweit das nun tatsächlich Gesetz ist, kümmert mich im Moment nicht. Erst dann, wenn ich wieder einem Fischereiverein beitrete. Mit dem Verbot, Angelwettbewerbe durch zu führen, wo der Sieger wird, der am meisten Fisch fängt, haben sich die Tierschützer anscheinend durchgesetzt. Welche Möglichkeiten manche Vereine gefunden haben, das Verbot zu umgehen, ist jetzt und hier nicht mein Thema.

 

Gehen wir also weiter davon aus, dass manche Sportfischer ihre gefangenen Fische essen möchten, manche nicht. Ich bekenne mich zur ersteren Sorte, weil ich auch ein Kulinariker bin. Kochtopfangler in den Augen der Nichtfischesser unter den Anglern.

 

Und damit soll die Geschichte hier beginnen. Verzeihen Sie die lange Einführung. Betrachten wir doch die Möglichkeiten, gefangenen Fisch „sinnvoll zu verwerten“. Beginne ich mal mit Klößchen. Viel wird allerdings nicht mehr dazu kommen, weil ich zur Zeit wenig mit der Rute unterwegs bin und hier am Niederrhein fehlt mir irgendwie der Ansporn.

 

 

Hechtklößchen

 

Hechtklößchen gehören zu meinen Leibspeisen. Wenn man den Hecht aber nicht kaufen will, muss man ihn erstmal haben.

 

Ich habe meinen größten Hecht am Weißensee in Kärnten gefangen. Der Weißensee ist ein Anglerparadies, wo man nicht viel fangen kann und das von den Fischaufsehern vermiest wird. Seinerzeit war der Fischkontrolleur ein richtiger Spaßvogel. Lehrer im Hauptberuf. Au weia. Mimte den Unbeteiligten im Nachbarboot, beobachtete die Angler mit dem Fernrohr und stieß dann plötzlich aufseherausweiszückend auf sie zu. Wehe, man hatte die strengen Vorschriften für Tageskarteninhaber aufs Kleinste übertreten. Dann hatte man den Tagesschein verwirkt. Wenn man Pech hatte und nicht nahe genug an seiner Rute war, auch diese. Was schon mal zu Konflikten auch mit den Vermietern der Feriengäste führte. Die strengen Vorschriften sollen verhindern, dass der Gast zu viel fängt. Dem gegenüber steht eine hohe Gebühr für die Tageskarte. Die trotz der strengen Auflagen von Hunderten von Fischergästen gefangenen Fische führen sowie schon dazu, dass ständig Tonnen von Fischen besetzt werden müssen. Es ist nicht allzu billig, am Weißensee zu fischen. Auch die Vermieter achten darauf, dass der Gast schön seine Bootsbenutzung bezahlt. Vor September sollte der Fischer den See aus Kostengründen sowieso meiden. 

 

Wir hatten ein Appartement direkt am Wasser. Mit Boot. Manchmal machte Herbert, der Vermieter, den Steg los und benutzte ihn als Floß. Mit Gästen, die beim Treiben die Rute ins Wasser hielten und mit seinem gesamten Alkoholvorrat. Irgendwo wurden die Fische gegrillt. Wenn dann die Gäste im Mondschein angetrunken an Land zurückkehrten, angelte niemand mehr. Am nächsten Tag kam die Rechnung. Herbert legte den gesamten Alkoholvorrat auf die Gäste um. Auch das, was er selbst konsumiert hatte. Aber es war lustig. Vor allem weil mitten in der Nacht, mitten auf dem See, der Motor ausging.

 

Lebende Köderfische, die damals noch nicht verboten waren, gab es beim Züchter auf der anderen Seite des Sees. Wir fuhren mit dem Ruderboot hinüber und besorgten uns einige. Heutzutage nehmen Hechtangler tote Köderfische, um den geänderten gesetzlichen Vorschriften Genüge zu tun. Sofern ein Angler einen Fisch verwendet, der sich nur tot stellt, ist es nicht seine Schuld.

 

Die Hechtangel funktionierte diesmal - waidgerecht montiert - als Schleppangel. Die Leine circa 50 m lang, mit der armen, kleinen, noch lebenden Forelle am Haken.

 

Die torkelte dann auf der Wasseroberfläche umher und sank mal ab. Je nachdem, wie stark ich in die Ruder ging oder auch mal einhielt. Ein wahrhaft reizvoller Köder für einen Hecht, sofern einer in der Nähe ist. Hechte schwimmen möglichen Fressopfern nicht lange hinterher. Das macht müde und schlapp. Sie schnappen, was in der Nähe ist und vielleicht etwas unbeholfen oder krank wirkt.

 

An jenem Tag war der Hunger eines ca. nur 60 cm langen Hechtes größer als seine Vorsicht. Als der Köderfisch in die Tiefe gezogen wurde, musste ich nur anschlagen, um den Haken ins Fischmaul zu treiben, was bei 50 m Leine gar nicht so einfach ist. Und den Fisch heran drillen. Er leistete nur kurze Gegenwehr. Karpfen kämpfen anders. So war er auch bald im Kescher und von da an hatte er den Kampf verloren. Manche Angler glauben, manchmal schon vorher triumphieren zu können und erleben dann ihr blaues Wunder.

 

Es war schon ein wunderschönes kleines Abenteuer. Auf dem blauen Weißensee, umgeben von Wald und Gebirgspanorama. Der kulinarische Genuss stand noch bevor. Auch die Verwunderung von Herbert, dass der doofe Deutsche mit Assistenz der Ehefrau tatsächlich einen Hecht selbst gefangen hatte.

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Hechtklößchen.pdf
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So wie es in den jeweiligen Rezepten steht, haben wir den Hecht am Weißensee nicht zubereitet. Er kam ganz simpel in den Backofen. Herberts Sohn kam zwischenzeitlich vorbei, weil er die Hechtzähne fühlen wollte. Sie waren noch ganz schön scharf, auch noch als der Hecht im eigenen Sud dampfte.

 

Am Tag nach dem Fang habe ich als ausgleichende Fischgerechtigkeit meine Angel verloren, die am Steg ausgelegt war. Ein Ruderboot hatte sie mitgeschleppt. Ruderfreunde rudern am Weißensee gefährlich, wenn sie zu nahe ans Ufer kommen.

Ich habe den Ruderern gewünscht, von der Rute gehakt zu werden. Heute denke ich nicht mehr so.

 

Wenn wir auf Reisen sind und irgendwo auf der Speisekarte Hechtklößchen entdecken, schlage ich zu. Im Schwarzwald habe ich dafür gute Chancen. In einem renommierten Düsseldorfer Restaurant am Belsenplatz mit Schwarzwald-Anbindung gab es ein Fiasko. Steht hier auf dieser Seite woanders.

 

Karpfenklößchen

 

Irgendwann bin ich vor etlichen Jahren auf ein Rezept aus dem Schwarzwald gestoßen. Da hat jemand aus Mangel an Hechtfleisch Karpfenfilet zweckentfremdet. Das hat mir gut gefallen und wir haben es nachgemacht. Es sind im Prinzip die gleichen Zutaten, wie beim Hechtfilet. Allerdings beim Karpfenfilet habe ich meine ganz spezielle Quelle. Es gibt wenige Leute, die darauf Zugriff haben. Ich genaugenommen im Moment auch nicht mehr. Aber ich arbeite daran.

 

Es gibt meines Erachtens keine besseren Karpfen, als die Aischgründer. Eigentlich müsste ich deshalb diesen Artikel unter „Middlfrangnn“ weiter schreiben. Auf der linken Seite sehen Sie, wie ich ein größeres Exemplar dieser Spezies, soeben gefangen, in der Hand habe.

 

Wissen Sie was? Ich erlaube mir den Sprung. Klicken Sie hier drauf:

 

Karpfenklößchen

 

und lesen Sie unter „Karpfenklößchen“ weiter. Bis gleich.

 

Forellenklößchen tun es auch

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