Elfleins kulinarische Bemerkungen
Elfleins kulinarische Bemerkungen

Alkoholische Essensbegleiter

Ich gebe zu, Alkoholiker zu sein. Im medizinischen Sinne. Weil wir täglich Alkohol trinken. Zum Essen und oft auch danach.

Dass wir nicht abhängig sind, beweisen wir uns selbst durch alkoholfreie Wochen. Sie sind identisch mit der Fastenzeit. Aschermittwoch bis Karsamstag.

Obwohl es schwer fällt, zum Essen nur Mineralwasser als flüssigen Begleiter zu haben. Da fehlt die Harmonie von Speis und Trank.

Bin wohl circa 10 Jahre alt gewesen, als Vater mich erstmals beauftragte, mit einem leeren Maßkrug zum Wirtshaus zu gehen und diesen gefüllt mit Lagerbier zurück zu bringen. Was ich gerne tat, um auf dem kurzen Rückweg den Schaum weg zu trinken. Eine Ermahnung gab es deswegen nicht. Als die Bürgerbräu Flaschenbier einführte, war es vorbei mit dem Schaum. Den Bügel traute ich mich nicht zu öffnen, wegen dem Papiersiegel. Später tranken wir Märzenbier von EKU. Das Erste Kulmbacher Märzenbier war etwas kräftiger als das Lagerbier und ich glaube, 5 Pfennig teurer. Ich durfte inzwischen wegen meines fortgeschrittenen Alters von 12 Jahren ein Glas zum Abendessen trinken. Damals begann vermutlich, wenn man der medizinischen Literatur Glauben schenken soll, der Zerfall meiner Gehirnzellen sowie die Neigung zum Alkoholismus.

 

Als wir nach Düsseldorf zogen, war dies nicht nur das Ende der fränkischen Bratwürste, sondern auch Schluss mit EKU. Bier und Wurst aus Franken gab es im Rheinland noch nicht. Nur Kappes (von Vater als Rheinufergemüse tituliert) und Altbier, dunkel und bitter. Weswegen ich eigentlich sofort hätte zurück fahren müssen. Aber wir waren ja nicht wegen der Ernährung nach NRW gezogen, sondern wegen der Arbeit. Von der wir uns ernähren mussten. Welch Widersinn.

 

So zogen sich denn die Jahre in der Ferne dahin, die nun seit langen Jahren die Heimat ist. Mit den Bieren hatte ich mich mittlerweile arrangiert. Trinke nun Pils und mir wird auch nicht gerade schlecht, wenn ich mal in Düsseldorfs Altstadt ein Schumacher trinke.

 

Die Bratwürste lasse ich mir vom Metzger Meier aus Nürnberg eingeschweißt schicken oder bringe sie direkt mit.

 

Und was trinke ich dazu? Sie werden es nicht glauben. Solange ich noch Durst während des Wurstverzehrs habe, legendäres Kulmbacher Edelherb. So schließt sich kurz vor dem Greisentum der Kreis. Und so blicke ich auf ein erfülltes, bieriges Leben zurück.

 

Wein aus Franken

 

Doch Bier ist nicht alles in meiner alkoholischen Laufbahn. Im Schatten des Münsters zu Neuss gab es ein Weinlokal mit alten Polstermöbeln und einem Ostpreußen, der garantiert nicht jünger als die Möbel war. Dort trank ich mit der Frau, die unausweichlich meine Ehefrau werden sollte, wundervolle, süße Weine und es war ebenso wunderschön, betüttelt von uns selbst und den Weinen um Mitternacht nach Hause zu schweben. Ich hatte zwei Kilometer weiter zu schweben, um alleine nach Hause zu kommen. Ein paar Monate später hatten wir beide gemeinsam nur noch zwei Minuten zu Fuß.

 

Als sich eine gewisse Wein-Kennerschaft entwickelte, wurden die Weine immer saurer. Heute ist unser Weinkeller bestückt mit Provenienzen aller Herren Länder. Aber es findet gerade eine Rückbesinnung statt. Der Anteil deutscher Weine ist in den letzten Jahren überproportional gestiegen. Es ist die richtige Entwicklung. Wenn ich also während des Bratwurstessens den Durst mit Bier und Genuss weg getrunken habe, kommt nur noch der Genuss. Und das kann nur ein fränkischer Silvaner sein.

 

Den fränkischen Silvaner beziehe ich aus

 

Sulzfeld, vom Weingut Luckert, Zehnthof.

 

Der Zehnthof nutzt keine künstlichen Hefen und das imponiert mir.  Noch ein Tipp für Deutschland-Urlauber. Gehen Sie mal durch das mittelalterliche Sulzfeld und nehmen Sie mal an einem Weinfest in Iphofen teil. Unbedingt dort übernachten. Sie werden sich in Unterfranken verlieben. Dass man die richtigen fränkischen Bratwürste mit Majoran nur in Mittelfranken machen kann, steht auf einem anderen Blatt.

 

Das waren die unbeschwerten Zeiten. Die sind leider vorbei und seitdem habe ich mein Kundenverhalten geändert. Bei Luckert bin ich Kunde geblieben. Aber zu einigen Winzern, bei denen ich auch schon mal Kunde war, gehe ich nicht mehr hin. Schuld ist Glyphosat. Ich mag es nicht, wenn Unkraut anstatt weg geharkt, mit Gift weg gebrannt wird. Da akzeptiere ich auch keine Entschuldigungen, wie die von der Steillage. Auf dieser Internet-Seite habe ich die Aussage von Winzern, die den Steillagen-Vorwand entkräften. Die Namen der Gift-Delinquenten will ich hier nicht nennen. Dafür habe ich aber eine Positiv-Liste. Von Winzern, die ich erst kürzlich als glyphosatfreie Bio-Winzer kennen gelernt habe. Zwei von ihnen möchte ich hier stellvertretend erwähnen:

 

Weingut Roth, Wiesenbronn

und

Benedikt Baltes, Weingut Klingenberg

Bio-ultimativ-im-Weinberg/

 

Riesling von der Mosel

 

Weil wir nicht alle Tage fränkische Bratwurst essen, braucht es natürlich noch andere Weine als Silvaner. Dann kommt der König ins Glas. Der deutsche Riesling. Meist von der Mosel. Die Söhne der alten Moselwinzer zeigen inzwischen ihren Vätern, wie man guten Wein macht. Was nicht heißen soll, dass es keine Moselaner Uraltwinzer gäbe, die nicht in der Lage wären, den Jungwinzern zu zeigen, wie es geht.

 

Ich kenne jemand aus meiner allernächsten Verwandtschaft, der an dieser Stelle anfangen würde, seine Kenntnisse bezüglich Riesling, Mosel usw. breit darzustellen. Kann ich aber nicht machen, weil Sie spätesten nach zehn weiteren Seiten vor Ermüdung anfangen würden, aufzuhören. Mit dem Lesen. Aber wenn Sie einen Tipp brauchen, googeln Sie doch unter Weinfreaks Werner Elflein.

 

Rotwein

 

Selbstverständlich trinken wir auch Rotwein. Da haben manchmal Franzosen, Italiener oder Österreicher eine Chance. Meist ist es jedoch ein Spätburgunder von der Ahr, aus Baden, Mosel oder Franken. Es wechselt, Favoriten gibt es nicht. Wir sind da allerdings etwas konservativ, zu Rinderfilet passt nun mal nur Rotwein. Zu Lamm allenfalls ein Rose.

Weitere Alkoholika

 

Weil ich eingangs bereits zugegeben habe, dass bei mir die Neigung zum Alkoholismus in frühen Jahren gelegt wurde, kann ich jetzt ganz entspannt mitteilen, dass sich dieser nicht auf Bier und Wein beschränkt. Es gibt auch schon mal einen Aquavit zum Rollmops oder den Black Tigers. Da ist es eigentlich egal, ob der Aquavit „Linie“ oder „Jubiläums-Aquavit“ heißt. Wir legen ihn ins Eisfach, die Gläser daneben. Ganz sicher bin ich aber nicht, was zum Beispiel ein Däne oder Norweger davon halten würde.

Zu den Klößen mit Bier gibt es schon mal einen Enzian. Zum Wiener Schnitzel, das durch Auflage von Sardellen zum Holstein-Schnitzel umfunktioniert wird, schmeckt auch ein Wachholder neben dem Pils. Nicht irgendeiner aus den Regalen der Supermärkte mit den Billig-Produkten. An der Schreibweise mit den zwei „h“ erkennen Sie den Edel-Wachholder von Eversbusch. Aus Westfalen natürlich. Falls Sie ihn nicht überall kaufen können, seien Sie bitte hartnäckig, bis Sie ihn gefunden haben. Es lohnt sich.

Mit Pernod flambieren wir manchmal Garnelen. Whisky kann es auch schon mal sein. Schmeckt sogar zu Elisenkuchen. Glennfiddich mögen wir.

 

Die hier genannten „scharfen“ Alkoholika werden allerdings viele Monate alt, bevor sie erneuert werden.

 

Süchtig sind wir nicht. Die Leber sei nicht unser Problem, meint unser Arzt.  Glauben Sie nur nicht, ich wolle mich rechtfertigen. Aber glauben Sie mir, im Sommer bin ich manchmal richtig froh, wenn ich eine Flasche kühles deutsches Mineralwasser an den Hals halten kann. Hierzu auch noch ein Tipp: die vermeintlichen Edelmarken aus dem Ausland, nicht gerade billig, haben oft schlechte Werte wegen erhöhter Keimbelastung.

 

Denken Sie daran: Nicht zu viel, es soll beim Genuss bleiben. Das letzte Bier ist oft schlecht.

 

Heinz Elflein

2014

überarbeitet Dezember 2016


 

 

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